Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 2. Aspekt: Schamanische Tiefe und Oberfläche. 4. Teil.

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“Die Tiefe der Magie und die Tiefe des Spirits müssen sich in einer Einheit des Seins im Schamanen selbst treffen, auf jenem Weg der Kraft, auf dem wir dem eigentlichen Erbe der Wirklichkeit nicht ausweichen, das sich uns immer wieder wie ein wilder Stier in den Weg stellt, damit wir es endlich auf gelungene Weise an seinen Hörnern packen….”

So endete der letzte Sonntagsblog.

Danach geschah gleich einmal Folgendes.

Die Schamanen und zukünftigen Schamanen tauchten mit mir, ihrem Lehrer, in eine tiefe und recht anspruchsvolle Unterwelt hinab. Und das im wahrsten weil auch sehr physischen Sinn des Wortes. Wir stiegen in die Tiefe unserer nächsten magischen Höhle hinunter und begegneten dort der Wildheit in ganz unterschiedlichen Ausprägungen.

Tiefe und Oberfläche….die mehr oder weniger gewohnte Mittelwelt, in der wir uns im Allgemeinen ja auch als Schamanen häufig aufhalten, wenngleich auch viel öfter in deren magischen Aspekten, als Sie sich das als Außenstehende vielleicht so vorstellen würden, und auf der anderen Seite der Abstieg in die Unterwelt oder genauer gesagt in die Tiefe der Erde, in das dunkle Herz der Erde.

Die Höhle war diesmal von besonders mächtiger Art.

Wir schlurften, kletterten, stiegen und krochen durch ihren Schlund, und versammelten uns im Kreis zu unseren schamanischen Höhlenritualen, welche die dunkle Mutter und den Geist des Lichtes mit unserem menschlichen aber magischen Bewusstsein zu verbinden trachten.

Der Geist der Höhle erschien mir unter anderem dabei wie ein wilder, in den Stein gehauener Bison, der gerade nach vor zu preschen im Begriffe ist, um dann jeglichen Eindringling auf seine spitzen und starken Hörner zu nehmen. Wolfsgesichter bildeten sich auf den Wänden und verwandelten sich im Laufe unserer Meditationen in weit friedlichere Urpferdgestalten, die Ausdruck unterirdischer geomantischer Ekstase waren.

Irgendwann legte sich der Bison mir und den mit mir Gekommenen zu Füßen und der Geist der Höhle verband sich mit den zwar nicht ganz so höhlentechnisch aber dafür umso mehr schamanisch Versierten, die ihn hier besuchten, um mit ihm und seiner wilden Kraft Kontakt aufzunehmen.

Dabei war es diesem Spirit der Tiefe wichtig, dass wir uns bereitwillig seinem Ansturm stellten und uns der Wildheit seiner Kraft auszusetzen bereit waren, und das nicht nur auf physischer und praktischer Ebene, sondern auch auf der Ebene magisch-schamanischer Hingabe.

Das magische Mittel unserer Wahl ist hierbei keine bestimmte Technik, sondern das sich Vorstellen und Zeigen als derjenige oder diejenige die Du bist. Der Schamane trägt seinen Altar mit sich, selbst wenn er keinen einzigen magischen Gegenstand bei sich trägt. Er trägt ihn im Inneren als Herzstück seiner Verbundenheit mit der Natur mit sich. Er öffnet sich dem Großen Ganzen und das Große Ganze antwortet ihm auf seine Weise. Das ist zugleich ein Dialog in Augenhöhe und ein tiefes respektvolles sich Hingeben an das mächtige größere natürliche Gebilde, an einen Geist, der sich schon weit länger und nachhaltiger auf diesem Planeten aufhält als es der Homo sapiens tut.

Der Schamane bleibt bei seiner Zentriertheit und folgt seiner Entschlossenheit. Der Geist der Höhle bewegt sich um ihn herum und berührt den Schamanen bisweilen mit seiner nassen und schweren Schnauze.

Der Schamane hält still und genießt den Kontakt und fühlt eine kosmische Dankbarkeit ob der Öffnung und Weite, an welcher ihn der Spirit der Tiefe ganz großzügig teilhaben lässt.

Der magische Fokus öffnet sich wie eine Blume, die Blume der Kraft, und der Schamane stellt sich, diese Blume der Kraft in den unsichtbaren Händen seines magischen Körpers vor sich haltend, der Begegnung mit dem magischen Gegenüber, verschmilzt Entschlossenheit und Absicht mit Hingabe und Freude. Eine freudige Erregung erfasst und erfüllt ihn. Die Verbindung öffnet sich, eine weitere Blume der Kraft und umhüllt Schamanen und Höhlengeister und verschmilzt sie für Momente in Eines. Ein Großes Ganzes, das wiederum nur Teil des Großen Geistes ist. Doch jeder Teil des Großen Geistes spricht die Ganze Sprache des Spirits, teilt die Ganze Gestik des Universums.

Es handelt sich also um einen mystischen Kontakt, der uns Magie und Spirit ungetrennt und in voller Stärke erleben und selbst verkörpern lässt.
Ich finde es sehr passend und auch überaus schön, dass gerade jetzt, beim Thema Tiefe und Oberfläche, und speziell auch dem Aspekt von magischem Spirit und spiritueller Magie gewidmet, ein nahezu symbolträchtiger Akt wie die Begegnung mit einem der großen Geister des Erdherzens stattfand.

Eine besondere Begegnung, welche ich hier mit diesem Blog zugleich dankbar würdigen und auch als Beispiel für die Anwendbarkeit und praktische Anwendung des in den vorherigen Blogteilen Angesprochenen nützen möchte.

Die Magie, welche der Schamane nützen kann, ist jedenfalls genau so frei und vollständig, wie es die Einweihung, das Wissen und das wahre schamanische Sein des Schamanen eben sind.

Ach ja, fast hätte ich es vergessen: In der Tiefe von Raum und Zeit verloren, in die Zeitlosigkeit der Höhle hineingeworfen, durch und durch vom Geist dieser schamanischen Zeremonie ergriffen, hat sich dieser Blog wohl auch um ein paar Tage verlaufen müssen und erst jetzt seinen Weg zu Ihnen gefunden. Aber dafür spricht er ganz taufrisch von der Erfahrung des magischen Raumes, dem er gerade, geradlinig und so ganz geradewegs entsprungen ist.

Dafür, finde ich, zahlt es sich manchmal schon aus, ein wenig zu warten.

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