Stormy Monday, Montagskater 18
Es ist wieder so weit. Ich spüre es schon in den Knochen. Wie ich gerade vor kurzem einem übrig gebliebenen einsamen chinesischen Glückskeks entnehmen konnte, bevor es in einem gierigen Schamanenmaul sein unwürdiges aber verdientes Ende fand:
Eine für Sie bedeutsame Angelegenheit steht kurz vor ihrem Abschluss.
Na, wenn das kein Vorzeichen für einen katerfreien Herbst sein sollte, will ich einen Besen fressen.

Allerdings, und soweit bin ich bei diesen mit mir selbst abgeschlossenen Wetten auf vorsichtige Weise stets auf Behutsamkeit und Augenmaß bedacht, nur einen ganz ganz kleinen Besen. Und aus Schokolade oder Biskuit sollte er besser auch sein, damit mir, nur für den unwahrscheinlichen Fall einer etwaigen hier vorliegenden Fehleinschätzung der künftig auf mich zukommenden Dinge nicht etwa sogar gar garstige Besenhaare in der Kehle stecken bleiben könnten.
Eines aber weiß ich ganz genau. Ja, ich weiß es einfach. Fragen Sie mich jetzt nur nicht, woher ich es weiß. Das ist eben das Vorrecht von uns Schamanen, Dinge zu wissen, welche wir zwar bisweilen gar nicht wirklich wissen wollen, welche sich aber trotzdem als düstere oder heitere Vorahnungen unvermittelt an uns anzuschleichen vermögen. Anschleichen ist hier im Übrigen genau das richtige Stichwort.
Ich weiß, dieser Kater wird sich heute wohl wieder an mich anschleichen wollen.
Schnell überprüfe ich noch einmal die wichtigsten Parameter, die für sein Erscheinen und seine voraussichtliche Kampfeslust von Bedeutung sind:
Es ist Montag. Hitzewelle herrscht derzeit keine. Ich bin nicht in den Bergen unterwegs. Auch sonst habe ich keine markante Ortsveränderung vorgenommen. Auch Taifune oder andere Wirbelstürme sind, soweit ich das jetzt im Großen und Ganzen so einfach überblicken kann, nicht in Sicht. Das Alles zusammen aber heißt: Der Kater kommt.
Soll er nur. Ich habe mir nämlich diesmal wieder etwas ganz ganz Spezielles und tatsächlich umwerfend Wirkungsvolles für diese lästige Katze ausgedacht. Es wird ihm nicht schmecken, dem Kater. Aber diesmal kann er meine Pläne nicht durchkreuzen oder sie mir gerade zum falschen Zeitpunkt durch schnöde List oder Gewalt entreißen. Ich habe mir nämlich mit Hilfe eines perfekt ausgeklügelten Systems der Mnemotechnik den neuesten Plan zur Katerabwehr ganz ohne jegliche Zuhilfenahme mechanischer, physischer oder elektronischer Hilfsmittel einfach für immer im Gedächtnis einprägen können. Dort ruht er nun und wartet auf seinen gelungenen und mich schließlich bald schon vom Katertier befreienden Auftritt.
Falls Ihnen jetzt irgendwie der Begriff Mnemotechnik vielleicht nicht mehr ganz so vertraut sein sollte wie früher, will ich Ihnen diesen edlen aber leider leicht vom Alter bereits etwas angegrauten Begriff genau an dieser Stelle gern und großzügig mittels eines im Geheimen von mir verfassten Absatzes in Wikipedia wieder einmal ins Gedächtnis rufen.
Zweierlei wäre dazu allerdings im Vorhinein noch zu bemerken:
Erstens wird meine Autorenschaft in Bezug auf diesen Begriff von anderen beziehungsweise eigentlich sogar von allen anderen Wikipedia-Autoren nicht nur gar nicht anerkannt, also in Abrede gestellt, sondern jene unverschämten Personen behaupten sogar in aller Öffentlichkeit, mich nicht einmal zu kennen. Genau genommen erwähnen sie mich nicht einmal, obwohl mir das als Gelehrter, Schamane, Naturforscher und Autor dieses besagten Artikels wohl zweifelsohne wirklich zustünde.
Zum zweiten ist Großzügigkeit zwar im Allgemeinen nicht unbedingt bei allen schamanischen Lehrern implizit oder explizit Teil ihrer charakterlich hervorstechenden Eigenschaften, bei mir persönlich sticht sie normaler Weise aber ohnehin meist ganz deutlich und fraglos hervor.
Das erwähne ich hier nicht etwa im Sinn eines durchaus stimmigen Selbstlobes, sondern einfach nur deshalb, um Ihnen einen besseren Eindruck von der situativen und emotionalen Umgebung zu vermitteln, in welcher Sie sich gerade beim Lesen diesen Blogs hier befinden. Dadurch verstehen Sie jetzt auch Ihre eigenen emotionalen und vegetativen Reaktionen besser, welche sich bei der Lektüre dieses Montagskaters jetzt wohl an Sie anschleichen dürften.
Ach ja, was wollten wir gerade machen?
Ich weiß es natürlich noch genau. Sie wollten von mir an dieser Stelle mehr über meinen Artikel in Wikipedia erfahren, den ich wahrscheinlich zu Ihrer Erbauung zum Thema Mnemotechnik verfassen durfte. Das Wort wahrscheinlich bezieht sich, drittens, auf eine gewisse mögliche Wahrscheinlichkeit, dass der jetzt im Folgenden unten angeführte Artikel etwa doch nicht von mir stammen sollte, und ich diese traurige Tatsache aufgrund eines gewissen narzisstisch motivierten Verdrängungsmechanismus meinerseits nur inzwischen wieder vergessen haben sollte.
Mnemotechnik [mnemoˈtɛçnɪk] (von altgriechisch μνήμη mnémē ‚Gedächtnis‘, ‚Erinnerung‘ und τέχνη téchnē ‚Kunst‘) ist ein Kunstwort, das seit dem 19. Jahrhundert für ars memoriae und ars reminiscentiae (dt. Gedächtniskunst) benutzt wird, meist gleichbedeutend mit Mnemonik (griech. μνημονικά mnēmoniká). Die Mnemotechnik entwickelt Merkhilfen (Eselsbrücken), zum Beispiel als Merksatz, Reim, Schema oder Grafik. Neben kleinen Merkhilfen gehören zu den Mnemotechniken aber auch komplexe Systeme, mit deren Hilfe man sich an ganze Bücher, Listen mit Tausenden von Wörtern oder tausendstellige Zahlen sicher erinnern kann. Mnemotechniken dienen der „Verbesserung des Speicherns und Behaltens von Informationen“[1] im Langzeitgedächtnis. Gedächtnistraining bezeichnet die Übung des Gedächtnisses, zu der auch die Einübung oder Anwendung von Mnemotechniken zählen kann.
…..
Jenseits dieser kulturellen Bezüge existieren für die Mnemotechnik viele Definitionen, eine allgemein anerkannte Abgrenzung kann folglich nicht gegeben werden. Dies hängt u. a. mit der hohen Individualität der Autoren zu diesem Thema zusammen, die oftmals ein eigenes System erschaffen oder sich auf einen Teilbereich beschränken wollen. Moderne Autoren vermeiden daher oft eine Definition.
Quelle: Wikipedia.
Autor: Wahrscheinlich ich, soweit ich mich jetzt daran ganz dunkel erinnern kann.
Na, sehen Sie nur, zum Schluss wird der Begriff gleich wieder einmal elegant ins Dunkel der Unbestimmtheit entlassen. Das gefällt mir. Wahrscheinlich habe ich das ja ohnehin selbst geschrieben, aber wenn nicht, finde ich es jetzt zumindest ausgesprochen treffsicher formuliert.
Wie auch immer. Zur Katerabwehr funktionierte die Mnemotechnik wirklich ganz ausgezeichnet. Kein auf Papier vorhandener Plan, kein Drucker, keine wie auch immer geartete physische Aufzeichnung meines Vorhabens konnte den Kater vor seiner ihm bevorstehenden endgültigen Vernichtung oder Vertreibung warnen.
Und so kam es, dass…..
Doch halt, ich fürchte, den Rest dieser Geschichte muss ich Ihnen jetzt, sofern ich ihn nicht etwa in der Zwischenzeit ganz vergessen sollte, im nächsten Teil dieses Blogs erzählen.
Vergessen Sie also bitte nur nicht, rechtzeitig wieder die neuesten Nachrichten vom Montagskater aufzuschlagen, dann nämlich, wenn es hier an dieser Stelle und zur selben Stunde wieder einmal heißt: Achtung, Kater im Anmarsch.
Damit wir die Tests für das wahrscheinliche Erscheinen des Katers das nächste Mal nicht wieder alle von vorne wiederholen müssen, speichere ich sie jetzt am besten gleich einmal unter www. meinkaterunddiefolgenfürdiewelt.at für Sie bis zum nächsten Erscheinen des grimmigen Katzentieres ganz vorsorglich schon einmal ab.
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Nüchtern betrachtet…..von Wilma….
Der schamanische Leckerbissen führt uns seltsamer Weise diesmal ein weiteres Mal sogar schon wieder in die…..Geheimnisse des Unfassbaren, oder Sie könnten auch, wenn Sie denn so wollten, einfach sagen: was vollbracht ist ist vollbracht. Teil 5.



