Udos Weg zum Schamanischen Lehrer Teil 6

Hier hingegen sehen Sie die Mammi wie sie leibt und lebt. In und um uns, wie es sich versteht. Na, sehen Sie. Habe ich Ihnen etwa zuviel versprochen?

Europäische Vorstellungen zum Werdegang eines Schamanen – oder: Was macht einen heutigen Schamanen wirklich aus?

Viele der Vorstellungen, die in Europa vom Werdegang eines Schamanen bestehen, lassen sich meiner Erfahrung nach in drei Arten aufteilen:

Erstens die Menschen, für die Schamanen nur in noch halbwegs intakten indigenen Kulturen existieren und nach deren Ansicht ein Wirken als Schamane außerhalb eines kulturellen Kontextes nicht sinnvoll möglich ist.

Unter diese Rubrik fallen auch viele Vertreter einer wissenschaftlichen Annäherung an den Schamanismus.

Zweitens diejenigen, für die es authentischen Schamanismus nur als Ableger anderer noch schamanisch lebendiger Kulturen gibt.

Schamane in Europa kann ihrer Ansicht nach nur jemand sein, der von einem außereuropäischen Schamanen in dessen Kultur und Techniken initiiert wurde und damit das Recht und die Fähigkeit erworben hat, wo auch immer als Schamane zu wirken.

Drittens diejenigen Menschen, die Schamanismus als ein Zusammenspiel erlernbarer Techniken und eines Wissens verstehen, das seinem ursprünglichen kulturellen Zusammenhang entzogen wurde.

Oft aber nicht immer, setzen sie Schamanen und schamanisch Praktizierende begrifflich gleich.

Jeder der sich eine Zeit lang mit Schamanismus beschäftigt, ist dann auch schon Schamane.

In meinen Augen greifen alle drei Vorstellungen über Schamanismus zu kurz.

Mein persönlicher Werdegang als Schamane entsprach jedenfalls keinem der drei Wege.

Meine Überlegungen zum Schamanismus sind daher folgende:

  • Der Schamane muss nicht aus einer indigenen Kultur kommen.
  • Der Schamane und schamanisches Wissen können nicht einfach als Kulturexport von einem Kontinent in den anderen verpflanzt werden.
  • Ein Schamane hat einen tiefen Einweihungsweg durchlaufen, er unterscheidet sich dadurch vom nur Schamanismus Praktizierenden.
  • Authentischer Schamanismus beinhaltet eine kosmisch-magische Erklärung der Welt, eine Art archaischen Mythos.
  • Schamanen in offenen Gesellschaften wie der unseren unterscheiden sich in ihrer Art und Aufgabe von Schamanen in relativ geschlossenen Stammeskulturen.
  • Die Magie und Stimmigkeit des Schamanen zeigt sich in seinem Wissen und Wirken.
  • Authentischer Schamanismus ist sowohl lokal als auch global verwurzelt. Es gibt einen Bezug zum globalen archaischen und mythologischen Wissen des Schamanismus und auch einen ebenso starken mythischen Bezug zur Natur in welcher der Schamane wirkt.
  • Ein Schamane, der sein Wissen aus einer oder mehreren anderen Kulturen bezogen hat, muss, wenn er hier als europäischer Schamane wirken will, sein Wissen auf die hiesigen Gegebenheiten übersetzen und damit kreativ neu gestalten und entwickeln.
  • Einweihungen sind grundlegende Transformationen im Sein eines Menschen durch die er mit Zustimmung der sogenannten Geister oder Spirits, der magischen Hüter der Naturkräfte, zum Schamanen wird. Einweihungen liegen jenseits von bloßem Wissenserwerb oder technischer Zugänge zum Schamanismus.

Lesen Sie im siebenten und letzten Teil: Die Höhe des Wissens und die Tiefe der Mystik: Schamanismus lebt ohne Grenzen. Die liegen höchstens im Schamanen selbst.

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