Der Schamane zur Lage der Nation, Nummer 9

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Nach dem galaktophilen Telefonanruf mit Tante Clara war ich nervlich zunächst ziemlich am Ende.

Da sollte ich als Schamane Sinnvolles, ja vielleicht sogar Erhebendes zur Lage der Nation schreiben.

Mir fällt aber momentan nichts Erhebendes ein.

Ich weiß natürlich, dass wir uns hier, vor allem seit der letzten politischen und quasi-religiösen Entwicklung der Dinge innerhalb dieser bedauernswerten aber mit ihrem traurigen Schicksal des ungeachtet offenbar ganz und gar zufriedenen Nation, jedenfalls an Bord der untergehenden Titanic befinden.
Daran ist wohl nicht zu rütteln.

Die Frage ist jetzt, ob die Titanic auch untergehen wird.
Die Antwort darauf aber ist einfach und herzergreifend, wenn auch keinesfalls erfreulich.

Natürlich wird die Titanic untergehen.
Daran ist schon aus historischen Gründen nicht zu rütteln.
Aber müssen wir währenddessen unbedingt mit an Bord sein?

Einfach ins kalte Meer springen ist jedenfalls keine Lösung, soviel ist gewiss.

Die Rettungsboote klarmachen wäre eine gute Devise.

Aber auch das klappt nicht.

Offensichtlich finden die Rettungsboote gerade als Brennmaterial bei einer Party im unteren Teil des Schiffes Verwendung.

Was fragen Sie mich da gerade?
Warum ich galaktophil geschrieben habe anstatt einfach galaktisch?

Nun, das ist leicht zu beantworten. Ich liebe die Galaxis. Wirklich. Hoffentlich steht sie uns noch ganz ganz lange so uneingeschränkt und freundlich zur Verfügung wie bisher.
Allerdings hoffe ich auch darauf, dass sich vielleicht ja trotz Tante Claras kategorischem Nein noch irgendwo eine klitzekleine aber durchaus noch ganz gebrauchsfertige fliegende Untertasse finden ließe, die mich dann durch einen nicht unwesentlichen Teil der Galaxis befördern könnte, und mich so auch endlich dem Zugriff der Titanic noch rechtzeitig entzöge.

Allein diese Hoffnung macht aus mir einen durch und durch galaktophilen Schamanen, verstehen Sie?

Ich hoffe, Sie verstehen das.
Wenn nicht, liegt es an Ihnen, ob Sie sich nun ebenfalls zu den galaktophilen oder aber von mir aus auch zu den galaktophoben Erdenbürgern zählen wollen.
Nachdem wir ja momentan aufgrund der von Tante Clara in die Wege geleiteten Quarantäne des ihrer Meinung nach faschistisch verseuchten Sonnensystems ohnehin keine Angebote zur Durchquerung der Galaxie per Anhalter, inklusive wunderbarer Möglichkeiten der Niederlassungsfreiheit auf allen möglichen menschenfreundlichen oder auch Menschen vielleicht nur leicht unbekömmlichen Planeten und Raumstationen, bekommen werden, erübrigt es sich, hier die Vorteile des galaktophilen Ansatzes ausführlich aufzuzählen.
Aber glauben Sie mir ruhig. Es ist einfach besser, sich selbst stets zu den galaktophilen Wesen der Galaxis zu zählen.

Jetzt fragen Sie mich ja schon wieder Etwas.
Was wollen Sie diesmal wissen?

Warum ich von quasireligiöser Entwicklung der politischen Dinge hierzulande spreche?

Auch das lässt sich einfach erklären. Erstens mischt Sankt Rache in Sachen Politik üppig mit, obwohl ihm das meiner Meinung nach von vorherein aufgrund fehlender mitmenschliche und demokratischer Gesinnung vielleicht untersagt werden hätte müssen. Er behauptet aber natürlich das Gegenteil.

Zweitens gefällt es offenbar den Österreichern, oder zumindest mehr als der Hälfte von ihnen, sich in der Politik momentan und in Zukunft schon während der Wahlen jeglicher rationaler oder vernünftiger Argumente gänzlich zu enthalten und anstatt dessen nur mehr nach Kriterien wie: der hat ein junges Gesicht, der ist mir sympathisch, der wird’s schon können etc. wählen, oder auch gleich dumpf aus dem Bauch heraus aufgrund emotional eher wenig verfeinerter Instinkte wie Fremdenhass, Neid oder Missgunst.

Wie gesagt, an die Stelle der Verbesserung der eigenen materiellen und allgemein menschlichen Lebenslage ist der tiefe Wunsch getreten, Andere möchten es doch nur ja nicht besser haben als man selbst.

Vor allem noch einmal ganz speziell zu Phantomen aufgeblasene Feindbilder wie Asylsuchende und ähnliche durch ihre Bedürftigkeit klar als Unmenschen erkennbare unglückselige Gestalten sollen gefälligst das Land, den Kontinent und schließlich auch den Erdball verlassen.
Na wenn das keine wunderschön inszenierte quasireligiöse Hetze Andersartiger ist!

Vielleicht kann ja Tante Clara für die Verfolgten schon einmal eine Art galaktischer Evakuierung vorbereiten.

Da könnte ich mich dann vielleicht auch unauffällig aber effizient unter die in weite galaktische Gefilde ausreisenden ehemaligen Erdenbürger mischen.

Und schon wäre die ganze lausige Stellunghalterei hier unten vorbei.

Aber ich fürchte, ich komme nicht rechtzeitig weg.

Wahrscheinlich bleibt mir also tatsächlich nichts anderes übrig, als mich weiterhin mit solchen unerfreulichen Themen wie dem hier beschriebenen zu beschäftigen.

Immerhin haben Sie so einiges Erfreuliches davon.

Was denn, werden Sie sich jetzt vielleicht fragen.

Na, das liegt doch klar auf der Hand.

Sie lesen hier interessante und aufschlussreiche Beiträge Ihres eigenen Schamanen, der genau für Sie hier sogar die Lage der Nation kommentiert.

Und das ist doch zumindest ein bescheidener Anfang von Glück.

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