Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 14
Aus Gründen plötzlich aufgeflammter Gereiztheit zwischen den beiden hauptgestaltenden Redakteuren dieser Kolumne
sah sich die Redaktion der schamanische Zeitung leider gezwungen, die aktuelle Ausgabe der Sendung mit dem Hu(h)n(d) in zwei voneinander unabhängigen und auch völlig unzusammenhängenden Teilen herauszugeben.
Wir sind jedoch laufend um eine sofortige Beilegung der strittigen Angelegenheit bemüht und melden uns in Kürze wieder bei Ihnen. Auf alle Fälle hören Sie von uns spätestens dann, wenn alle Beteiligten ihre ungeteilte Zustimmung zu Wiederaufnahme einer gedeihlichen Zusammenarbeit gegeben haben.
Bis dahin ersuchen wir Sie, allfällige Unannehmlichkeiten, die durch die Zweiteilung dieses Textes unter Umständen bei Ihnen auftreten sollten, nach Möglichkeit einfach zu ignorieren.
Die Behebung etwaiger Schäden, welche durch das nicht sorgfältige Lesen unserer Beipackzettel verursacht worden sein könnten, müssen wir jetzt und auch in Hinkunft ihrer eigenen entschlossenen Initiative überlassen.
Notfalls wissen Sie ja, wo Sie uns und unsere Hilfe finden.
Ganz allgemein gilt hier wie immer:
Keine Panik, Rettung naht!
Das Huhn:
Unerhört. Der Hund ist sich wirklich für nichts zu schade. Sehen Sie nur, mit welch plumpen Mitteln er versucht, auf die tiefgreifenden unbewussten Ängste meiner Spezies anzuspielen. Er würde glatt in meiner Achtung ganz nach unten auf den Boden des gerade noch Erreichbaren sinken, wenn er dies nicht ohnehin schon früher getan hätte. So sinkt er eben in meiner Achtung ins Bodenlose.
Für Sie, meine lieben Zweibeiner, habe ich hier und jetzt wieder etwas ganz Besonderes anzubieten. Ich darf nur vorher kurz die wichtigsten Themen unserer letzten Lektionen wieder einmal wiederholen. Zuerst ging es um kontextbezogene Wahrnehmung, und danach um Wahrnehmungsveränderungen durch schlichte Namensänderungen einer überlegenen Vogelrasse. Dabei sprachen wir über Änderungen einer Art, wie sie Ihnen im Allgemeinen nicht einmal auffallen dürften.
Beide Themen sollten Sie jetzt wach und klar genug halten, um sich mit mir gleich einmal tiefer in dieses breite und anregende Feld der Wahrnehmungsschulung einlassen zu können.
Die wohltemperierte Wahrnehmung:
Unter diesem Stichwort wollen wir unser nächstes und sehr wesentliches Kapitel zu Ihrer Ausbildung zum wahrhaft Wahrnehmenden zusammenfassen.
Die Kunst der wohltemperierten Wahrnehmung erfassen Sie naturgemäß erst dann, wenn Sie sich auf die kontextbezogene Wahrnehmung als Grundgesetz aller Ihrer Wahrnehmungsversuche eingelassen haben und, darüber hinaus, auch die plötzlichen aber im nachhinein für Sie nicht mehr feststellbaren Veränderungen Ihrer jeweils gerade schon wieder liebgewonnenen Wirklichkeit als reale wenn auch nicht gerade angenehme Möglichkeit des allgemeinen und speziellen Weltgeschehens in Betracht ziehen. Des Weiteren sollten Sie ein wenig Erfahrung mit psychedelischen Drogen aufweisen, oder alternativ dazu einige tiefere Erlebnisse mit psychisch wirksamem Bewusstseinszauber hinter sich gebracht haben. Auch ein intensives und wirklichkeitsnahes beziehungsweise wirklichkeitserzeugendes Traumerleben wäre eine gute Ausgangsposition Ihrerseits, um meinen jetzt folgenden Ausführungen die ihnen gebührende Beachtung schenken zu können. Denn nur mit Ihrer ganz normalen Alltagserfahrung sind die Vorzüge des wohltemperierten Wahrnehmungsvollzugs nicht wirklich leicht zu erfassen…..
Leider musste der Text aufgrund der von der Schlichtungsstelle des schamanischen Redaktionskollektivs vollzogenen temporären Kolumnenteilung an dieser Stelle mitten in den tatsächlich sehr interessanten Ausführungen von Frau Genossin Huhn jäh unterbrochen werden. Wir weisen aber auf die Fortsetzung der spannenden Ausführungen, deren Zeuge Sie hier gerade werden durften, im nächsten Teil dieser Sendung hin.
Der Hund:
Sie können sich ja gar nicht einmal in Ihren kühnsten Träumen, oder sollte ich hier vielleicht sagen, Ihren schrecklichsten Träumen, vorstellen, wie unangenehm es für einen tapferen und moralisch hochstehenden Zeitgenossen wie mich ist, mit einem Mal ganz von der ihm normaler Weise ganz emsig lauschenden Öffentlichkeit ausgeschlossen zu werden. Noch dazu auf infamste Weise.
Dazu kommt dann die Paranoia. Nun ja, eigentlich handelt es sich natürlich nicht wirklich um eine solche. Vielmehr ist es die gesunde und vorsichtige Wachsamkeit des allzeit bereiten Hüters von Haus, Mensch und Garten, eine allumfassende und stets gleichbleibende klare Wachsamkeit, ein emsiges Umherstreifen und Verbellen, insgesamt also eine durchaus lobenswerte und charakterstarke Eigenschaft, welche böse Zungen jedoch mit dem Wort Paranoia ganz unklug und respektlos beschreiben könnten.
Trotzdem musste ich eine Zeitlang nach dieser traumatischen Situation des Eingesperrt Worden Seins in der eigenen Hundehütte dieselbe ein paar tausend Mal umschleichen und beschnüffeln, nur um ganz sicher zu gehen, dass sie diesmal an ihrem Platz verharren würde und sich nicht von einem Moment zum anderen in ein unheimliches und von außen boshaft verschlossenes Gefäß zur Hundewegsperrung verwandeln würde. Erst danach konnte ich zur wohlverdienten genussvollen Rache schreiten. Die Sache an sich war dann wirklich nur allzu einfach. Ich malte ein Plakat, welches ich danach direkt vor der Lieblingswiese des frechen Huhns aufstellte. Darauf stand aber nur:
Kurz danach verschwand das Huhn unter wilden aufgeregten Schreien in einem Loch unter dem nächstliegenden Baum und weigerte sich erstens einmal länger Zeit über, sein Versteck wieder zu verlassen, und zweitens, etwas später, mit mir noch einmal gemeinsam in dieser Kolumne öffentlich aufzutreten.
Da konnte ich mir ein leichtes hündisches Schmunzeln einfach doch nicht ganz verkneifen.
So sieht also die immer wieder stolz betonte Verwandtschaft von Huhn und edlen Raubvögeln wie dem prächtigen Adler aus.
Beim Lesen des Begriffes Hühnerhabicht zuckt das Huhn jedenfalls voll aus und ist gar nicht mehr davon abzuhalten, zum Maulwurfsvogel zu mutieren.
Aber lassen wir das jetzt wieder.
Eigentlich wollte ich Ihnen nämlich etwas viel Interessanteres zum Thema Wahrnehmung präsentieren. Was war das doch nur wieder gleich? Seit ich mich dauernd mit diesem ungezogenen Huhn und seinen Streichen herumschlagen muss, bin ich wirklich ein wenig vergesslich geworden, was die Dinge echter Gelehrsamkeit betrifft, die mir sonst ja wohl in überreichlichem Maße zu eigen sein dürften.
Ach, jetzt fällt es mir wieder ein. Es geht mit diesmal nicht um schamanische Hüte oder dergleichen. Nein, die Sache ist noch viel besser und auch gleich um Vieles anschaulicher. Wir wollen uns nämlich hier gleich mit einer ganz besonderen Art Ihrer möglichen Wahrnehmungsverbesserung befassen. Es geht um nicht mehr oder weniger als….
Aufgrund der leider stark eingeschränkten Wort- und Silbenzahl der jeweiligen Beiträge von Huhn und Hund sahen wir uns als Redaktionskollektiv leider gezwungen, Sie genau an dieser Stelle des Textes, an welchem dieser endlich den Charakter der Einleitung zu verlassen beginnt,
auf die spannende Fortsetzung des hier ja noch nicht wirklich so recht Geschilderten im nächsten Teil dieser Sendung zu vertrösten. Eile mit Weile, wie das Sprichwort sagt. Wir hoffen jedenfalls, dass dieses geflügelte Wort in irgendeiner Weise zur Erhellung oder Betonung der jetzt gerade entstandenen Situationen beitragen kann. Jedenfalls scheint es sich bei diesem Text des Hundes charakterlich um eine Art Hängepartie zu handeln.
Daran können wir inzwischen wohl auch nicht viel ändern. Genießen Sie es also ruhig.
Anhänglichkeit erhöht bekanntlich die Vorfreude auf die Hauptspeise, wie der Hund bisweilen wahrscheinlich auch zu sagen pflegt.
Vielleicht gelingt es unserem erfahrenen Vermittlungsteam ja bis zum Erscheinen der nächsten Sendung mit Huhn und Hund trotz aller kommunikativen Schwierigkeiten kühn zu einem brauchbaren Kompromiss in Sachen Zusammenarbeit unserer beiden allseits hochgeschätzten Künstler durchzustoßen, zu solch genialem Kompromiss also zu gelangen, welcher ein gemeinsames Arbeiten unserer verehrten Lieblingsautoren zumindest in bescheidenem Rahmen wieder in den Bereich des Möglichen rücken könnte.
Unser Beitragsbild trägt den Titel: Der Engel der Versöhnung.
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