Spotlight, der schamanische Scheinwerfer, diesmal auf die Kunst des Räucherns und noch so manch Anderes gerichtet….
Womit beginnt jeder Tag der offenen Tür in unserem Zentrum in Haag?
Ja, richtig.
Mit Räuchern.
Das hätte Sie mir jetzt aber auch gleich sagen können.
„Die Trud kommt in der Nacht oder gegen Morgen und legt sich auf den Schläfer. Man kann dann nimmer rufen und bekommt keine Luft.“
Damit das nimmermehr passiert, halt kurz die Luft an, Frau und Mann, und lies dann emsig, was hier steht, bevor die Sonn heut untergeht.
Oder eben auch danach, denn abergläubisch sind wir nicht, soviel verrät schon das Gesicht des Menschen, der dies schrieb.
Die Lieb ist alles, was hier zählt, und wer´s nicht spürt, ganz häufig auch den Weg verfehlt, der ihm bestimmt. Weswegen jetzt dieses Gedicht am Schluss ein anderes Ende nimmt als uns im Übrigen geläufig.
Im Spotlight unserer Schamanen findest Du solch Sprünge häufig. Das hält die Spannung sanft im Raum, und Du bewegst Dich wie im Traum und kletterst über steilste Wände.
Räuchern vertreibt die bösen Geister, sagt man, und wir Schamanen können das zwar grundsätzlich bestätigen, werden uns aber jetzt nicht darauf einlassen, eine Diskussion über das Mitschleppen oder Nicht-Mitschleppen böser Geister zu führen. Vor allem geht es hier auch weniger um böse oder gut. Die Last des Alltags besteht häufig darin, dass von einem Menschen unentdeckt Schwere, Wut und Trauer anderer Personen aufgenommen und als eigene Befindlichkeit erlebt werden.
Ob es sich dabei im psychologischen Sinn nur um Introjektionen fremder Gefühle handelt, oder vielleicht um durch die Spiegelneuronen in unserem Gehirn wiedergegebene Haltungen und Gefühle Anderer, oder ob es um energetische (kommt häufig vor) oder magische (eher etwas seltener) Besetzungen geht, also um fremde Energien, die sich wie in der Volksüberlieferung die Trud oder der Alb, auf die Schultern ihres Opfers setzen und sich von dessen Seelensubstanz nähren, bleibt zumindest für das Räuchern einerlei.
Denn es wirkt und löst die gereinigte Person aus ihrer Schwere und Verzerrung, zumindest so weit, dass sie sich dann besser und leichter auf die Vorstellung unseres schamanischen Angebots einlassen kann.
Im Übrigen lassen sich derartige Fremdbesetzungen auch dauerhaft lösen und durch das eigene ursprüngliche Potential ersetzen, das dann an deren Stelle tritt oder hinter dem Schleier der Verzerrung wieder hervortritt. Dazu braucht es aber zumeist mehr als nur ein Räucherritual.
Denn selbst das einfache Wegschicken der fremden Geister oder Seelenanteile funktioniert nur dann nachhaltig, wenn der davon Gereinigte sich die Besetzungen, welche auf ihm lasteten, nicht im Laufe der nächsten Stunden oder Tage gleich wieder zurückholt, entweder aus alter Gewohnheit, oder weil diese Zustände, in denen er sich unter dem Einfluss fremder Energien befindet, einen psychischen oder sozialen Vorteil zu bieten scheinen.
Zwar beruht die Wahrnehmung eines Vorteils dabei eigentlich immer auf Selbsttäuschung, doch Heilung kann nachhaltig nur dann erfolgen, wenn sich der Mensch auch innerlich zu einer tieferen Veränderung in seinem Dasein bereit erklärt.
Meiner Ansicht nach sind jene Ansätze zur Befreiung von Fremdenergien, welche die Wesenhaftigkeit und parasitäre Ausrichtung der Besetzungen ansprechen und erkennen, den rein psychologisch orientierten Heilungsversuchen überlegen, weil die nicht nur psychologisch ausgerichteten Verfahren die Dynamik der Besetzungen deutlicher und klarer zu verstehen vermögen.
Das steht zwar im Gegensatz zu dem derzeit stark gesellschaftlich wirksamen Versuch, Wissenschaft und Psychotherapie zusammenzuführen und von jeglichem Geruch des Esoterischen zu befreien.
Doch schließlich sind Wirksamkeit und die Heilung die Kriterien der Wirklichkeit, nach denen auch wir Schamanen uns mit Vorliebe auszurichten pflegen.
Hier zum Abschluss noch kurze Erläuterungen zu den Begriffen Trud und Alb…
Zu den bösen Geistern wird im Unterinntal auch die Trud gerechnet.
1. Die Trud kommt in der Nacht oder gegen Morgen und legt sich auf den Schläfer. Man kann dann nimmer rufen und bekommt keine Luft.
2. Die Truden sind alte, häßliche, behaarte Weiber mit Plattfüßen und auseinanderstehenden Zehen. Zwischen elf und zwölf Uhr nachts drücken sie Menschen, die im Schlaf auf dem Rücken liegen. Man wehrt sich gegen sie durch Bannsprüche, durch das Trudenkreuz an Tür und Bett oder dadurch, daß man die Schuhe mit der Spitze nach außen unter das Bett stellt.
Alb:
- germanischer (meist böser) Naturgeist
- Alben – abgeleitet von Alb – ist die ursprüngliche Bezeichnung für Elfen (germ. albi, altsächs. alf, engl. elf). In der germanischen Mythologie waren die Elfen für die Träume zuständig (siehe Nachtalb und Mahrt). Auf diese tückischen Wesen wurden die schlechten Träume zurückgeführt. Insbesondere stellte man sich bildlich die Alben meist in menschenähnlicher Gestalt auf der Brust des Schlafenden hockend vor, was ein unangenehmes Druckgefühl auslöste, daher auch die ältere Bezeichnung Alb- oder Alpdruck.
Quellen: Wiktionary, Wikipedia, Sagen.at
Da sehen Sie es wieder einmal. Irgendwo und Irgendwie war Alles schon einmal da, und lebt auch weiter unter uns, wenngleich häufig im halb Verborgenen.
Wählen Sie aus unseren Rubriken...
Nüchtern betrachtet…diesmal von Bettina



