Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 3. Aspekt: Pirschen in die Tiefe. 2. Teil.     

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Warum ich beim Thema Tiefenpirschen zögere, fragen Sie?

Nun, das ist leicht zu beantworten.

Zuerst war der Nagual-Schamanismus.

Ich meine, das ist jetzt nicht die wahre Schöpfungsgeschichte oder etwas ähnlich Erhabenes, sondern ganz trivial ein spezieller Ausschnitt aus meiner Tätigkeit als schamanischer Lehrer.

Nagualismus und Nagual kannten Sie vielleicht schon früher. Diese Begriffe hatte Carlos Castañeda im Westen bekannt gemacht.

Nagual-Schamanismus aber war der Begriff, den ich für meine Arbeit verwendete.

Ich hatte mir zwar überlegt, dass der Name ein wenig sperrig und vielleicht nicht ganz so werbewirksam sein dürfte, aber er schien mir im Wesentlichen einfach ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen schamanischen Ansätzen zu sein, und er war auf seine Art auch recht einfach.
Schließlich war und ist die Beschäftigung mit dem Nagual, dem Unfassbaren, auch und gerade bei uns ein wesentliches Element unserer Arbeit, wenngleich bei weitem nicht das einzige.

Etwas später begann ich, meine Arbeit mit dem Satz: „Wir bilden Schamanen aus“ genauer zu beschreiben.

Inzwischen wird dieser Satz anderweitig und von anderen Leuten verwendet, und ich habe ihn deshalb fallen gelassen.

Seit relativ kurzer Zeit gibt es darüber hinaus auch einen Trittbrettfahrer, der scheinbar ebenfalls den Namen Nagual-Schamanismus erfunden haben dürfte, allerdings ohne dabei zu entdecken, dass dieser schon jahrelang als Richtungsbezeichnung von uns verwendet wird.

Um der Schamanenschwemme, die mit der Gleichsetzung von schamanisch Praktizierenden und praktizierenden Schamanen begann, etwas entgegenzuhalten, begann ich, die meiner Ansicht nach auf tieferen Wurzeln beruhenden europäischen Ansätze des Schamanismus als Tiefenschamanismus zu bezeichnen.

Ich warte natürlich darauf, wie lange es dauert, bis jemand diese Bezeichnung als die seine ausgibt.

Pirschen und Träumen kommen als magische Künste des Schamanen schon bei Castañeda vor.

Die Art des Träumens, die wir hier im Nagual-Schamanismus praktizieren, beginnt zumeist nicht mit luziden Traumübungen im Schlaf sondern findet statt dessen im Wachbewusstsein statt. Auch sonst gibt es aufgrund unserer intimen Beziehung zu den alpinen Feenkräften und deren Traumschwestern ganz andere Zugänge zum Traum, als Sie dies vielleicht von Castañedas Lektüre her erwarten würden.

Allerdings ist die Arbeit mit dem Traum, oder speziell unser Zugang dazu, nicht so einfach zu imitieren.

Dasselbe trifft natürlich grundsätzlich auch auf das Pirschen zu. Pirschen oder Gestaltwandeln ist die zweite Möglichkeit magischen Praktizierens, die Sie ebenfalls schon in Castañedas Büchern finden können.

Während aber die magische und schamanische Arbeit mit Träumen und Pirschen ebenso wie die ganze Beschäftigung mit Nagualismus fundiertes schamanisches Wissen voraussetzt, ist die Behauptung, mit Nagual, Träumen, Pirschen und dergleichen mehr zu arbeiten, ganz günstig zu bekommen.

Ich erinnere mich daran, wie ich vor Jahren, damals noch in einer einschlägigen Zeitschrift, in einer Workshopankündigung über Begegnung mit dem Nagual schrieb.

Kurz danach konnte ich bei einem anderen schamanisch Lehrenden, der all die Jahre davor noch nie das Wort Nagual in seinen Workshopbeschreibungen verwendet hatte, plötzlich über das Angebot einer Reise an den Rand des Nagual lesen.

Der Rand des Nagual. Das lässt, finde ich, so ziemlich alles offen. Vielleicht begegnen wir am Rand dem Nagual, vielleicht aber auch nicht.

Eigenartiger Weise begeben wir uns im Nagual-Schamanismus nur selten an den Rand des Nagual. Zumeist springen wir mitten hinein, damit die Sache auch für bisher nicht mit ihr Vertraute auf einmal ganz klar spürbar und erlebbar wird.

Trotzdem finde ich die Reise an den Rand des Nagual als Angebot durchaus kreativ.

Wahrscheinlich verhält es sich bei all diesem Kopieren und Klauen genau wie beim Erwerb eines schwarzen Gürtels in einer exotischen Kampfsportart.
Entweder Sie trainieren ein paar mühevolle und schweißtreibende Jahre und setzen sich dabei selbstverständlich auch einem mehr oder weniger großen Verletzungsrisiko aus, oder Sie gehen ins nächste Stoffgeschäft oder zum Schneider Ihres Vertrauens und kaufen sich einen ungemein einfach zu erwerbenden Schwarzgurt. Danach brauchen Sie nur noch ein Bild von sich selbst ins Internet zu stellen, in dem Sie im vollen Kampfsportlerornat posieren, und schon wissen Ihre Freunde und Bekannten, was Sie insgeheim jahrelang viele Stunden pro Woche getrieben haben. Eine gewisse Bewunderung ob Ihres entschlossenen sportlichen Ehrgeizes wäre da doch sicherlich das Mindeste, was Sie sich daraufhin erwarten dürften. Allerdings müssen Sie jede Demonstration Ihrer Kampfkünste mit dem bedauernden Hinweis, diese seien leider absolut geheim und würden nur auserwählten Schülern gezeigt, strikt ablehnen.

Falls Sie schamanisch tätig sein sollten, können Sie auf dieselbe Art und Weise Ihre Kompetenz mit Nagual, Traum und Magie herausstellen, indem Sie diese Begriffe einfach wie selbstverständlich in die nächsten Programmpunkte Ihrer Workshops aufnehmen. Notfalls bleibt dann vielleicht keine Zeit, sich intensiver damit zu beschäftigen. Oder Sie zeigen den hoffentlich ohnehin ahnungslosen Schülern irgendetwas, das Sie mit dem Begriff Nagual beschreiben.

Bei ganz ungefährer Betrachtung sind ja Nagual, Chaosmagie, die buddhistische Leere und noch so einiges Anderes mindestens so nah miteinander verwandt, dass Sie mit Leichtigkeit behaupten können, pure nagualistische Magie anzuwenden, sobald Sie ein wenig mit dem Chaos zu spielen beginnen.

Das dürfen Sie, falls Sie zu derlei Schabernack neigen, von mir aus im Übrigen auch herzlich gern tun.

Dass gerade beim Pirschen und noch mehr beim Tiefenpirschen eine gewisse Gefahr des Persönlichkeitsverlustes bei Selbstversuchen durch relativ Unwissende nicht ganz ausgeschlossen werden kann, möchte ich Ihnen an dieser Stelle zwar ebenfalls nicht verheimlichen, aber ein wahrer Held des Schamanismus ließe sich, soviel ist hier sicherlich anzumerken, von einer derartigen und wahrscheinlich von mir jetzt ohnehin sehr übertriebenen Gefahr doch wohl nicht wirklich abschrecken…..Sie merken schon, ich spiele hier mit Ihnen, falls Sie zum Wissensklau neigen.

Bei der Beschreibung von Pirschen und Tiefenpirschen muss ich aber wohl trotzdem sehr genau darauf achten, dass Tiefenpirschen, ein Begriff, den ich im Übrigen ebenfalls erfunden habe, um bestimmte Aspekte des Pirschens klarer hervorzuheben, nicht zum Allgemeingut verschiedenster neo-schamanischer Ansätze wird.

Sonst kann ich mich wahrscheinlich bei einem meiner späteren Auftritte in der Öffentlichkeit der vielen Tiefenpirscher nicht mehr erwehren, welche mir eigentlich durch ihren Besuch bei mir nur erklären wollen, wie sie das Tiefenpirschen verstehen und was es damit eigentlich genau auf sich hat.

An sich spreche ich ja nicht allzu gern über diese meine seltsamen Erfahrungen und Eindrücke von meiner schamanisch praktizierenden Umgebung. Leider kann ich mich aber eines gewissen Schauderns nicht enthalten, wenn es um schamanisches Raubkopieren geht.

Die herausfordernde Aufgabe, die sich mir hier stellt, wird also wohl sein, Ihnen, meinen geschätzten neugierigen und wissbegierigen Lesern, einen Eindruck von der Tiefe des Schamanismus an Hand des Tiefenpirschens zu vermitteln, ohne dabei zu viel des praktischen Wissens aus der Hand zu geben. Traurig aber wahr, dass wir in einer Kultur des selbstverständlich Nehmens ohne zu fragen leben.

Wie schon oben gesagt, lassen sich die eigentlichen magischen und schamanischen Handlungen und Haltungen ohnehin nicht wirklich kopieren, wenn Ihnen das dazu nötige Können und Wissen fehlen sollte. Wobei das Können und Wissen der Schamanen nicht auf bloßem Wissenserwerb, wie er in Schulen oder an Universitäten vermittelt wird, beruht, sondern vielmehr auf einer feinsinnigen Kunst magischer und schamanischer Einweihungen, die in zwei oder drei Jahren ganz grundsätzlich nicht zu meistern ist.

Oje, jetzt habe ich wohl schon wieder viel zu viel über meine Vorbehalte und eigentümlichen Erfahrungen mit der neo-schamanischen Subkultur hierzulande geschrieben.

Das Gute daran ist aber, dass mir dadurch jetzt noch eine weitere Woche des Überlegens und Vorbereitens vergönnt ist, bevor ich eine Entscheidung darüber treffen muss, was ich Ihnen hier in diesem Blog eigentlich genau über das Pirschen in die Tiefe erzählen will.

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