Back to the roots: Schamanismus pur. Die Begrifflichkeit des Außergewöhnlichen. Nagual, Ekstase, Magie, Spirit – Die Begegnung mit der Kraft. 1. Aspekt: Sichtbares und Unsichtbares. 1. Teil

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Gehen wir doch einfach ein wenig tiefer in unser Thema Schamanismus hinein.

Was fällt uns, mir und Ihnen, hier wohl als erstes auf:

Ja, richtig. Schamanismus ist kein Hauptthema dieser Kultur.

Er fristet sein Dasein eher am Rand der Gesellschaft. Höchstens in esoterischen Kreisen wird ihm größere Beachtung zuteil.

Die Fähigkeit zum Wissenserwerb und zur Entdeckung der Welt wird in unserer Gesellschaft vor allem den Angehörigen der verschiedenen Wissenschaftszweige zugeschrieben.

Für die Beschäftigung mit dem Spirituellen und Rituellen nützt diese Gesellschaft unterschiedliche Religionen, die auf dogmatischen Wegen Glauben vermitteln oder bei ihren Anhängern voraussetzen.

Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen, also eine Anzahl spiritueller Lehrer und Richtungen, die ihre Schüler zu mystischen Erfahrungen anleiten und sie darin zu eigener spiritueller Meisterschaft zu begleiten trachten.

Doch zumindest in der westlichen Kultur sind diese Ansätze die Ausnahme.

Die wesentliche geistige Wertschöpfung der kapitalistischen westlichen Gesellschaft aber liegt in der Bedeutung des Reichtums oder materiellen Wohlstandes selbst. Das Materielle, welches eigentlich nur Mittel zum Erreichen unserer geistigen und spirituellen Ziele sein sollte, wird uns selbst zum einzigen wesentlichen Ziel.

Die Fähigkeit, welche die meisten Menschen an ihrem jeweiligen Gegenüber am meisten interessiere, sei dessen Zahlungsfähigkeit, lautet ein durchaus bedenkenswerter Spruch.

Insgesamt wird die Welt von unserer Kultur weit mehr nach Kriterien des Sichtbaren und Machbaren geordnet als nach den unsichtbaren Hintergründen und Grundlagen unseres Seins.

Mit den unsichtbaren Hintergründen meine ich jetzt selbstverständlich nicht die Zerlegung der Welt in immer kleinere und schließlich für das Auge nicht mehr sichtbare Teile.

Die naturwissenschaftliche Beschreibung der Welt, die sich auf mathematische Begriffe stützt, gibt zwar einen bestimmten Aspekt der Wirklichkeit wieder. Aber eben nicht den für uns wesentlichsten Aspekt.

Sie werden mir hier vielleicht sofort widersprechen. Sie werden sagen: Ohne Wissenschaft oder Erkenntnis des Machbaren ist die menschliche Weltbeherrschung stark eingegrenzt.
Das stimmt sogar. Wir brauchen Werkzeuge, um die Welt zu unseren Gunsten zu manipulieren.

Aber wir beherrschen unsere Werkzeuge nicht, wenn wir sie für das zentrale Mittel unseres Auftritts in der Welt halten.

Wir beherrschen zudem die Systeme nicht, in denen wir uns gesellschaftlich, politisch und auf der Ebene von wissenschaftlicher und persönlicher Erkenntnis bewegen.

Vor allem aber haben wir nicht gelernt, uns selbst zu beherrschen. Selbstbeherrschung meint hier nicht Askese und nicht Zucht und Ordnung. Selbstbeherrschung bedeutet hier auch nicht die Fähigkeit zur Zurückhaltung oder das Verschieben unserer triebhaften Impulse auf einen späteren und sinnvolleren Zeitpunkt.

Selbstbeherrschung soll hier ganz einfach heißen, dass wir als Menschen unser Ich dem größeren Selbst unterordnen können, einem Selbst, das Mitgefühl und soziale und ökologische Verantwortung als absolute Notwendigkeiten unseres Daseins und unseres Überlebens als Spezies auf diesem Planeten begreift.

Zumindest bieten alle Zukunftsszenarien, in welcher wir dieser Notwendigkeiten nicht bewusst sind, kaum lebenswerte Bedingungen für unser Dasein.

Doch es geht dabei nicht einmal in erster Linie um unsere Zukunft, sondern zunächst um die Qualitäten unseres gerade stattfindenden Lebens hier und jetzt, in dieser Zeit und dieser Kultur, in der wir uns gerade befinden.

Nun soll sich gerade dieser Blog am Sonntag ja nicht um Politik und Gesellschaft drehen, sondern um Schamanismus, Magie, Ekstase und Spirit.

Tatsächlich aber werden genau jene Phänomene und Erkenntnisse, jene Werte und Möglichkeiten, jene Ideen, Tatsachen und Sichtweisen, welche unsere Kultur und somit uns alle zum Positiven verändern könnten, von eben dieser Kultur systematisch zur Seite geschoben und entweder verdrängt oder verleugnet oder als Unsinn diffamiert.

Wenn wir hier in den folgenden Blogs am Sonntag also über Magie, Spirit und geistige Erkenntnis sprechen wollen, so bleibt ein wesentlicher Kontext zu beachten: Die Bedeutung unserer schamanischen und spirituellen Erkenntnisse und der aus ihnen abgeleiteten Wertvorstellungen für das Wohlergehen des Einzelnen und unserer ganzen Kultur.

Der Schamane in geschlossenen Kleingesellschaften war Wächter des Wohlbefindens aller Stammesmitglieder sowie seines Stammes als ganzem.

Wir Schamanen in der offenen westlichen Gesellschaft haben dieser Kultur, in der wir leben, ein paar der wesentlichsten Möglichkeiten anzubieten, die unsere gesamte Gesellschaft und jedes einzelne ihrer Mitglieder zu einer weit vollständigeren und tieferen Lebensweise führen könnten als wir dies zur Zeit in unserer gesellschaftlichen Realität erleben.

Um die Werte des (Tiefen-)Schamanismus zu verstehen, müssen wir uns mit dem Begriff der Kraft beschäftigen.

Schamanische und spirituelle Kraft ist nicht nur das Mittel des Schamanen zur Welterkenntnis und Weltbewältigung.

Es ist auch sein Mittel zur gesellschaftlichen und persönlichen Transformation.

Schamanismus wie ich ihn sehe ist einfach eine Einladung, ein Leben der Kraft zu führen.

Diese Art zu leben hat vor allem ekstatische und Ihre Persönlichkeit stärkende Aspekte.

Doch sie verlangt auch Ehrlichkeit, Herz und Entschlossenheit, also den Mut zu Wahrheit und Mitgefühl, sowie das Herz eines spirituellen Kriegers, der seinen Weg andächtig aber unaufhaltsam immer weiter verfolgt.

Drei Fragen möchte ich hier noch klären. Zum einen jene, ob Schamanismus einfach ein magisches Mittel der Weltbetrachtung und Weltveränderung sei. Die Antwort lautet nein.

Auch wenn den Schamanismus eine sehr pragmatische Herangehensweise an die Welt und ihre Beschaffenheit auszeichnet, ist er keinesfalls nur ein Mittel zum Zweck. Die Welt des Schamanismus öffnet uns Räume der Kraft und sie gibt uns die Gelegenheit in Räumen der Kraft zu verweilen, und diese Art des Verweilens besitzt auch als reiner Selbstzweck tiefe Bedeutung und Sinn.

Viele Naturvölker sahen jene magischen Räume, welche ihnen schamanisches Tun eröffnete, als die eigentlich bedeutsamen Seiten der Wirklichkeit an. Das lässt sich auch heute noch in der Tiefe der schamanischen Erfahrung genauso erleben.

Zum anderen könnten Sie sich fragen, ob sich Schamanismus tatsächlich so intensiv mit menschlicher Transformation im Sinne eines Bewusstseinswandels beschäftigt.

Tatsächlich wohnt dieser Teilaspekt dem Schamanismus inne, auch wenn er bei schamanischem Handeln oft nicht in den Vordergrund tritt.

Doch zumindest und vor allem in unserer vom Bewusstseinszauber des Adlertotems geprägten Richtung, also dem Nagual-Schamanismus, sind Heilung durch Bewusstheit und insbesondere die Veränderung durch eine persönliche und zugleich überpersönliche Transformation des eigenen Bewusstseins zentrale Bereiche der Heilung von Mensch, Gesellschaft und Natur.

Als Drittes fragen Sie sich vielleicht, wo die Magie in diesem Beitrag steckt. Ich will es Ihnen erklären: Erstens, überall, und auch in jedem Satz, offen und auch in verschiedenen Hinweisen versteckt. Zweitens, darin, dass Sie die Welt mit anderen und durchaus sehr magisch-schamanischen Augen sehen werden, wenn Sie sich auf das hier Gesagte einlassen. Drittens, in der Verbindung der drei Aufmerksamkeiten zu einem magischen Ganzen, das auch diesen Beitrag trägt. Aber dazu will ich Ihnen jetzt zunächst nicht mehr verraten.

Lesen Sie weiter im zweiten Teil dieses Blogs über Schamanismus, über Erfahrung im Allgemeinen und eine andere mögliche Bedeutung der Welt im Besonderen.

 

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