Der Freitagskater hier am Platz von….Stormy Monday, Montagskater 27

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Es ist etwas ganz Merkwürdiges geschehen.
Sie werden es kaum für möglich halten.
Denn auch dieser letzte Montag des Monats verging ohne dass sich der Kater gezeigt hätte.
Kurz danach besuchte er mich trotzdem.

Das ließ mich vor Schreck fast vom Sessel fallen. Denn erstens fand sein Besuch völlig außerhalb seines üblichen Zeitschemas statt, und zweitens ließ sich der Kater seinerseits dazu herab, mit mir ein Gespräch zu beginnen, genauer gesagt sprach er ein ernstes Wörtchen mit mir.

Ich hatte noch nicht einmal wahrgenommen, dass sich der Kater in mein Büro geschlichen hatte. Nun nahm er zu alldem auch noch auf meinem Schreibtischsessel Platz.

Ich erstarrte. Das konnte unmöglich etwas Gutes bedeuten.

„Hör zu“, sagte der Kater, und verzog sein Katerantlitz zu einer halb grimmigen halb belustigten Grimasse, „so kann das doch nicht weitergehen.“ Dieser Meinung war ich zwar grundsätzlich auch, doch meine Begründung für das nicht weiter gehen Können bestand ja aus der beständigen Wiederkehr ebendieses riesigen Katzenungetüms, welches sich jetzt gerade mir gegenüber auf meinem Schreibtischsessel räkelte. Natürlich behielt ich diese Überlegung für mich. Sie werden sicherlich verstehen, dass man in Gegenwart eines überdimensional großen Katzentieres, welches zudem noch sprechen und sich nahezu unsichtbar an sein Opfer anschleichen kann, keinesfalls zu Provokationen greifen soll. Als Provokationen lassen sich in diesem Zusammenhang alle Bemerkungen oder Handlungen verstehen, die vom jeweiligen katzenhaften Gegenüber vielleicht als Herausforderung, Schmähung, Ablehnung oder Missachtung seiner sehr geschätzten animalisch-magischen Persönlichkeit verstanden oder missverstanden werden könnten. Der Begriff jeweilig soll hier nur andeuten, dass ja unter bestimmten ungünstigen Umständen auch Sie, verehrter Leser, in die Lage geraten könnten, einem solchen eher missmutigen Katzenungetüm Rede und Antwort stehen zu müssen. Am Besten reden Sie, falls Sie jemals im Leben in meine Lage geraten sollten, zunächst einmal gar nichts, während der Kater Ihnen seine Ansichten über Ihr Verhalten mitteilt.

„Mhmmm“, stieß ich hervor, weil ich dem Kater natürlich nicht den Eindruck vermitteln wollte, ich hätte seine Wort etwa nicht klar und deutlich vernommen. Andererseits wollte ich mich aus den weiter oben schon angeführten Gründen auch nicht allzu deutlich zu seinem Satz äußern. So erschien mir ein vages aber mit fester Stimme hervorgestoßenes Mhmmm einen wirklich sehr guten Kompromiss zwischen völliger Sprachlosigkeit und allzu großer Redseligkeit darzustellen, zu welchem ich eben deshalb auch sofort Zuflucht nahm.

„Das hat doch keinen Sinn“, spricht der Kater weiter, „Du handelst vielmehr unsinnig“. Dann, nach kurzem Nachsinnen und Katerkopfschütteln, fragt er: „Bist Du denn eigentlich überhaupt lernfähig?“

Der kalte Schauder rinnt mir bei seinen Worten über den Rücken. Was meint er bloß damit? Natürlich bin ich lernfähig, das steht doch wohl außer Frage. Aber ihm kommt es offenbar nicht ganz so selbstverständlich vor. Vielleicht sage ich am Besten zuerst einmal gar nichts dazu, und lasse dem Kater respektvoll ein wenig Zeit, um seine Ideen weiter auszuführen. Ich schaue also nur interessiert und tue so, als wäre seine Frage schon so gut wie beantwortet. In meinem Sinne natürlich.

Der Kater denkt laut weiter: „Eigentlich müsstest Du der Sprache mächtig sein und eine gewisse wenn auch vielleicht stark eingeschränkte Fähigkeit zu logischem Denken besitzen.“ Jetzt sieht er mich zugleich so fragend und durchdringend an, dass ich ihm wohl oder übel antworten muss: „Selb-st-ve-rständlich…..“stottere ich. Dieses mein hier auftretendes Stottern liegt ausschließlich an der Aufregung, welcher der Kater durch sein überraschendes Erscheinen bei mir verursacht.

„Du fragst Dich jetzt vielleicht, warum ich diesmal am Freitag auftrete anstatt Deiner Vorstellung vom Montagskater gerecht zu werden.“ Ja, tatsächlich hatte ich mir diese Frage seit dem Erscheinen des Kater fast ununterbrochen gestellt. „Ich tue es absichtlich, um Deiner begrenzten Vorstellungskraft ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Du kannst mich ja diesmal als Freitagskater vorstellen.“

Der Kater ist jetzt in Wahrheit genau am Donnerstag aufgetaucht, doch ich verzichte wieder einmal klug und umsichtig auf jegliche Richtigstellung des von der gigantischen Katze zu mir Gesagten.

Dann erzählte mir der Kater, weshalb er zu mir kam.

Auf diese Geschichte müssen Sie aber noch bis zu einem der folgenden Montage warten.

Bis dahin habe ich mich dann wohl auch schon vom unerwarteten Eintreffen des Freitagskaters erholt.

Wir Schamanen heilen ja im Allgemeinen wirklich recht schnell.

 

 

 

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