Der schamanische Leckerbissen, Zwischenspiel: Nagual und Schamanismus, Teil 1
Wir müssen unseren interessanten Blog zum Thema Zurück in die Zukunft, oder: was vollbracht ist ist vollbracht, hier wieder einmal für ein Zwischenspiel ganz anderer Art unterbrechen. Vergessen Sie aber bitte nicht, wo wir uns im eigentlich weiterlaufenden Leckerbissen gerade befinden. Oder lesen Sie es einfach nach, wenn wir wieder soweit sind.
Hier als Einschub ein Text, den ich Anfang März in ein Internetforum gestellt habe. Er greift ein paar wesentliche Themen schamanischen Wirkens auf wie die Frage nach der Tiefe, der Magie und der Ekstase im Schamanismus. Allerdings ist er wirklich ein ganz klein wenig ausführlicher geraten. Aber ich dafür habe ich Ihnen hier einen guten Rat anzubieten. Lesen Sie einfach Zeile für Zeile, dann kommen Sie früher oder später wirklich überall hin.

Was Sie hier sehen, ist ein Steinbock. Aber nicht irgendeiner. Das Bild vom Steinbock stammt von einer schamanischen Einweihung, die vor Jahren am Geigenkamm in Tirol stattfand. Die eigentümliche, mit Kraft aufgeladene Stimmung der Einweihungswanderung tritt hier hervor. Wenn Sie dafür offen sind, spüren Sie es wahrscheinlich ohnehin. Wenn nicht, dann genießen Sie zumindest den Anblick des majestätischen Tieres.
Einige provokante Thesen zum Schamanismus
Keine Krafttiere! Klappe 2, Variante
Ich habe mir überlegt, warum es hier gleich einmal so viel emotionalen Aufruhr in Bezug auf meinen eigentlich bisher recht harmlos daherkommenden Ansatz gab.Dabei habe ich mich wieder einmal in den Spiegel geschaut.Das tue ich ja des Öfteren, allerdings nicht mehr, um meine bereits zu spärlich sprießende Haarpracht zu bewundern, zumeist aber aus anderen recht trivialen Gründen.
Diesmal aber ging es mir bei dieser Spiegelschau um etwas Anderes. Deshalb hab ich nicht den üblichen Spiegel im Bad benützt. Vielmehr wandte ich mich direkt an den Spiegel der Wahrhaftigkeit, der direkt vor mir, etwas links und knapp unter Scheitelhöhe, stets in der Welt der Kraft vor mir hängt. Dieser Spiegel hilft mir aber ungemein beim Denken, und vor allem, wenn es denn sein muss, bei meiner Selbsterkenntnis.
Wahrscheinlich, dachte ich also, haben diese Menschen dort im Forum einen Grund, sich über mich aufzuregen. Wahrscheinlich bin ich tief im Inneren doch etwas provokanter unterwegs, als ich es mir zunächst selbst eingestehen wollte. Wahrscheinlich spüren die Leute, mit denen ich dort kommuniziere, auf irgendeine Weise den provokanten Hintergrund meiner Aussagen, auch wenn ich mich da ja beständig in Zurückhaltung übe.Denn, so wurde mir schlagartig klar, vertrete ich ja tatsächlich einige Ansichten, die Denjenigen, der sich mehr oder weniger auf schamanische Techniken verlässt, ganz grundsätzlich gegen den Strich bürsten könnten, weil sie ein grundsätzlich anderes Verständnis des Schamanismus einfordern.
Ja, so wird es wohl sein. Also beschloss ich, diese Thesen gleich ohne Umschweife weiter auszuführen.
Leider wird das wohl nicht in ein paar Sätzen abgehen können. Ich glaube fast, ich bin eher der Vertreter des schamanischen geistigen Slow-Foods.
Die verlorene Ebene der Unendlichkeit im Schamanismus
Wenn Ihr das Nagual vermeidet, sei es aus Unwissenheit oder Desinteresse, dann vermeidet Ihr die Dimension der Unendlichkeit im Schamanismus.Einige von Euch können einfach trotzdem durch ihre Hingabe an den schamanischen Weg und durch spezielle persönliche Voraussetzungen in die Tiefe der schamanischen Wahrheit vordringen. Doch das ändert ja nichts am Grundsätzlichen.
Das Verständnis des gesamten schamanischen Weges wird nämlich reduziert, wenn es auf einen endlichen Tonal-Bereich reduziert wird.
Durch die Tiefe der schamanischen Hingabe im Kontext einer schamanischen Heilbehandlung in außereuropäischen Kulturen wird normaler Weise ebenfalls diese Dimension der Unendlichkeit erreicht. Das Nagual tritt also unter welchem Namen auch immer oder eben auch ganz ungenannt zur Ebene des Tonal hinzu und das Ritual bekommt jene tiefe Kraft, die es als Teil des ursprünglichen schamanischen Potentials der Menschheit kennzeichnet.
Hier ein Ausschnitt dazu aus meinem ursprünglichen Blog, der jetzt eben ein zentraler Teil dieses Threads geworden ist:
Aus diesem Mut und dieser Bereitschaft zur Absolutheit, die dem Schamanen zu eigen ist, entstehen wie nebenbei schamanische Techniken, Praktiken und Rituale, die den Zugang zur Magie des Schamanismus erleichtern oder einfach nur einer bestimmten ursprünglichen Vorgangsweise des Schamanen eine äußere Form verleihen.Die Rituale oder Techniken sind nie losgelöst vom tiefen Verstehen und Wissen des Schamanen über das was er tut und warum er es tut.
Er kann jederzeit eine andere Vorgangsweise finden, weil er grundsätzlich in Kontakt mit dem ist, was er als Schamane bewirkt.Bestimmte Techniken der Schamanen erlangen ihre Kraft durch die Unbedingtheit, die völlige Absolutheit, mit der sich der Schamane auf seinen Weg einlässt.
Die Technik allein ist nichts, das Wissen und die Hingabe sind alles.Schamanismus ist nun einmal ebenso wild und archaisch wie die wilde Natur, die ihn umgibt.
Aus dem Unfassbaren, dem Chaotisch Wilden, dem Ursprünglich Archaischen kommend, wirft eine immer deutlicher hörbare Berufung den angehenden Schamanen mitten ins Herz der Wildnis hinein.
Er muss erkennen und lernen, um die Prüfung der Natur und den Test der Geister zu bestehen.Wilde Natur und pure Magie:Darin schwimmt das Feld des Schamanismus. Daraus nährt es sich. Darin lebt es.Des Weiteren ist Schamanismus ursprünglich trotz gemeinsamer Grundlagen ein sehr differenziertes umfassendes Feld global verbreiteten Wissens.
Nicht alle Schamanen reisen mit Hilfe einer Trance zum Trommelschlag in verschiedene Welten.
Nicht alle praktizieren Seelenrückholungen, um hier nur zwei der oben angesprochenen Beispiele zu nennen.Bei denjenigen schamanischen Traditionen, welche genau das tun, sieht es seltsamer Weise ganz anders aus als bei den schamanisch Praktizierenden im Westen.Der sibirische Schamane verausgabt sich in der Trance, die oft Stunden dauern kann, völlig.
Er kann schließlich nur noch am Boden liegen und stammeln.
Sein Gehilfe übersetzt die Worte des Schamanen und entschlüsselt deren Bedeutung.
Um es seinem Schüler zu ermöglichen, wirkungsvoll und gefahrlos Seelenrückholungen zu praktizieren, träufelt ihm sein schamanischer Lehrer in Südamerika nach Jahren intensiven Lernens und Vorbereitens Spucke in den Mund, in der sich gleichzeitig ein tierischer Hilfsgeist befindet.
Es kommt in diesen Beispielen wieder nicht auf die konkreten Fakten an.
Das Entscheidende bleibt die absolute schamanische Hingabe, oder andersherum gesagt, die Hingabe an die schamanische Absolutheit.
Daraus entsteht die Kraft, oder zumindest stellt die Absolutheit eine notwendige Bedingung für das Auftreten schamanischer Kraft dar.
Deshalb kann ich hier als in Europa lehrender Schamane nur immer wieder auf die Bedeutung der Absolutheit auf Ihrem schamanischen Weg aufmerksam machen.
Wenn Sie als in Europa oder Amerika lebender schamanisch Interessierter sich nun bestimmten schamanischen Techniken zuwenden, in der Hoffnung, so zum Schamanen zu werden, ist das in etwa dieselbe Vorgangsweise, als würden Sie in einer seichten Bucht tauchen üben, um damit schließlich Tiefseetaucher zu werden.
Wobei man noch dazu sagen muss, dass Sie in diesem Beispiel aber gar nicht die geringste Absicht hätten, die bequeme Bucht jemals zu verlassen, um sich etwa dem wilden Meer da draußen auszusetzen.
Das bedeutet nicht, dass Ihr Schamanismus dann wirkungslos oder grundsätzlich falsch wäre. Sie haben trotzdem Teil am großen Ganzen des Schamanismus, so wie Sie in der Bucht stehend, trotzdem Teil am großen Ganzen des Meeres hätten.
Nur stehen Sie eben auf flacherem Boden, was die Wirkung der Kraft und das Verständnis des heiligen Weges betrifft.
Natürlich meine ich nicht, hier weit und breit der einzige wahrhafte Schamane zu sein. Ich beurteile Menschen, die sich dem schamanischen Weg widmen, zum Einen ganz grundsätzlich nicht nach irgendwelchen Maßstäben außer vielleicht nach ihrem Verhalten.
Es geht im Übrigen hier auch gar nicht um mich. Ich bin nur ein Platzhalter für diese Aussagen, jemand, der aus eigener tiefer Erfahrung und aus eigenem – mir vom Spirit geschenkten oder gerade für dieses Leben geliehenen – Wissen auf bestimmte Gegebenheiten des wahren schamanischen Weges aufmerksam machen will.
Wenn wir aus unserer Diskussion aber alle mich als Person betreffenden Aspekte abziehen, und die Fragen von Geschmack, Beurteilung und Bewertung genau so wie den oft notwendigen Humor und mein Vergnügen am Schriftstellerischen einmal ebenso ganz zur Seite lassen, dann bleiben immer noch diese Aussagen über Schamanismus, schamanische Kraft und die Ekstase des Schamanen übrig, die ich Euch hier vorsetze.
Über die Inhalte meiner Thesen brauchen wir uns natürlich nicht einig zu werden. Sie lassen sich aber auch nicht durch die im vorigen Absatz beschriebenen Ablenkungen zum Verschwinden bringen.
Zumindest bleiben diese provokante Thesen als Herausforderung für Euch bestehen, indem sie nämlich wie schon oben gesagt auf ein ganz anderes meiner Ansicht nach wirklich notwendiges Verständnis dessen, was den Schamanismus eigentlich im Kern ausmacht, hinweisen.
Magie und Ekstase. Die Sache mit der Kraft.
Wenn wahre Magie im Schamanismus fließt, wird schamanisches Tun oder Nicht-tun von Ekstase durchdrungen. Das geschieht von ganz allein, und Du als Schamane musst dazu nichts anderes beitragen, als Dich dieser Magie und ihrer Ekstase hinzugeben.Die Kraft, jener Begriff, der meiner Meinung nach der am Schwierigsten zu definierende im Schamanismus ist, lässt sich auf der Ebene des Erlebens ganz leicht wahrnehmen und erleben.
Obwohl Schamanismus im Allgemeinen auch als Weg der Kraft bezeichnet wird, ist das tatsächliche Auftreten der Kraft bei schamanisch Praktizierenden, ja offenbar sogar im Rahmen von Ausbildungen alles andere als selbstverständlich.
Ich bin schon mehrmals schamanisch Vorgebildeten oder sogar schamanisch ausgebildeten Menschen begegnet, die sich über die Intensität der Kraft, welche in unserem Nagual-Schamanismus eben ein Herzstück der schamanischen Begegnung mit der Wirklichkeit darstellt, wunderten oder manchmal sogar fast empörten.
Für diese Leute war die Kraft offenbar nur ein theoretisches Konzept, das sie dann gefälligst nicht aus einer unbekannten Ecke des Universums heraus unvermittelt anzuspringen hätte.
Kehren wir hier kurz zum ursprünglichen Text zurück, in dem der größere Teil der Anwesenden bei meinem Vortrag über Nagual-Schamanismus gerade fluchtartig den Raum verlassen hatte.
Sie, die Sie hier geblieben sind, waren standhaft genug, um den Weg, der sich jetzt vor Ihnen auftut, zumindest einmal wahrnehmen zu können.
Es ist, wie schon oben angedeutet, der Weg der Kraft. Der Weg des lebendigen Spirits.
Wieder höre ich da einen kleinen Aufschrei der von anderswo schamanisch Gebrieften:
„Alle Schamanen gehen doch den Weg der Kraft!“„Das mag schon sein“, entgegne ich ihnen dann.
Heimlich denke ich mir dabei gerade, dass Schamanismus zwar tatsächlich allgemein als Weg der Kraft bezeichnet wird, es aber dennoch gar nicht so oft vorkommt, dass sich diese Kraft bei den Schamanismus Praktizierenden so machtvoll einstellt.
Vieles was durchaus gutes schamanisches Arbeiten ist, lässt die Kraft als solche nur sanft erahnen.
Das ist nicht grundsätzlich schlecht oder unzureichend.
Aber es trägt zur Verwirrung bei.
Dieses Auftreten der Kraft im Schamanismus ist nämlich keinesfalls ein reines abstraktes Konzept.
Wenn sie fließt, durchströmt sie Raum, Zeit, Körper und Ereignisse gleichermaßen und verändert alles.
Lesen Sie weiter im zweiten Teil dieses Leckerbissens, den wir, wie Sie wissen, diesmal extra für Sie als Einschub genau zwischen Zukunft und Vergangenheit platzieren durften.
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