Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 4.

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Ach ja, worum sollte es denn da jetzt gleich noch einmal gehen?

Gerade fällt es mir wieder ein.

Sie wissen ja, wir Hühner sind nun einmal sehr beschäftigt, also praktisch den ganzen Tag über eben sehr praktisch beschäftigt.

Deshalb merken wir uns normaler Weise nur das Wesentlichste.

Das reicht doch wirklich völlig aus.

Jetzt habe ich aber schon wieder vergessen, was ich eigentlich…oja, da ist es wieder.

Aufmerksamkeit. Es sollte um Ihre Aufmerksamkeit gehen.

Und weil ich schließlich keinesfalls ein normales Allerweltshuhn bin, sondern ein mehrfach schamanisch prämiertes Edelhuhn, geht es im Folgenden auch immer wieder um schamanische Aufmerksamkeit.

Was mit dem Hund passiert ist? Ha, der Hund ist ein Streuner. Der ist einfach abgehauen und hat mir das Feld überlassen. Er nennt das Urlaub. Ich nenne es faulenzen. Aber jeder wie er will. Aber ich sag Ihnen was, nur ganz unter uns: Auf diese Weise findet der nie ein Korn! Oh, vielleicht ist das ja der Grund, warum er sich so seltsam ernährt. Er muss wohl darauf warten, dass ihm jemand täglich sein Fressi hinstellt. Er ist also völlig abhängig. Was für eine Qual das für den Armen wohl sein muss! Aber ich kann mich damit jetzt wirklich nicht mehr beschäftigen. Hauptsache er ist momentan nicht hier. Da schreibt es sich ja gleich viel ungestörter.

Auf-merk-sam-keit. Das ist wirklich wie Auf-pik-ken. Praktisch dasselbe Wort und auch derselbe Vorgang. Deshalb liegt es uns Hühnervögeln so in der Natur.

Wir picken und wir schauen. Beides erfordert eben genau dasselbe. Aufmerksamkeit nämlich.

Wenn Sie nun etwa aber kein Huhn sein sollten, was bedeutet das dann in diesem Zusammenhang für Sie?

Nun ja, zum einen sind Sie da natürlich zu bedauern. Sehr sogar, aber das lässt sich nun mal nicht ändern. Schlechtes Karma, hat meine Großmutter immer gemurmelt, wenn Sie einen Frosch oder einen Menschen vorbeihüpfen sah. Wobei die Menschen ja meistens nicht hüpften, außer die Kinder beim Spielen, aber für meine Großmutter war das Alles mehr oder weniger dasselbe, es lief einfach aufs Selbe hinaus: Schlechtes Karma. Sonst nichts.

Ja, so weise war sie. Sie hat die Welt durchschaut.

Ein bisschen davon hat sicherlich auch auf mich abgefärbt, wenn ich es mir jetzt so recht überlege. Ja, so muss es sein. Deshalb bin ich wohl zum schamanischen Huhn geworden.

Aus einem Überschuss an Weisheit heraus. Wahre Weisheit lässt sich eben selten ganz verbergen oder zurückhalten, das werden Sie sicher einsehen, selbst wenn die Weisheit Sie als Zwei- oder Dreibeiner nur ganz leicht gestreift haben dürfte.

Wenn ich von Dreibeinern spreche, meine ich nicht die paar Wenigen unter den Zweibeinern, die gleichzeitig noch einen Stock benützen.

Nein, ich kann ja klar zwischen Bein und Stock unterscheiden. Klares Unterscheidungsvermögen. Das genau ist eben eine Voraussetzung schamanischer Aufmerksamkeit.

Die Dreibeiner sind für Zweibeiner unsichtbar, und genau deshalb glauben jene auch nicht an diese. Für uns Hühner ist Alles sichtbar, was hier auf dieser Welt so rumläuft. Das verleiht uns also den Vorteil eines gewaltig großen und somit auch besonders bedeutungsvollen Horizonts.

Führen Sie sich doch nur die Realität eines wachsamen Huhns einmal klar vor Augen: Während Sie als Zweibeiner ahnungslos durch Ihren Garten laufen, und sich mit Gemüse anpflanzen oder ernten, mit Laub rechen oder dem Aufklauben von Nüssen beschäftigen, – alles, wenn Sie mich danach fragen, eher recht sinnlose Tätigkeiten für ein Huhn wie mich -, sind Sie von großäugigen, ein wenig grimmig wirkenden Dreibeinern umgeben, die sie stets sehr wachsam zu kontrollieren scheinen, dabei im Allgemeinen aber jeglichen physischen Kontakt mit Ihnen strikt vermeiden.
Die oft gar nicht so geringfügigen Spuren, welche die Dreibeiner in Ihrem Garten hinterlassen, werden von Ihnen als Maulwurfshügel fehlinterpretiert.

Hier hab ich sie aber ganz kalt erwischt. Sie versuchten zwar sofort, das dritte Bein hinter den anderen beiden zu verstecken und sich den eher unscheinbaren Anschein historischer Holzfiguren zu geben, ein aufmerksames Huhn wie mich konnten sie jedoch nicht einen einzigen Augenblick lang täuschen.

Gut, ich gebe es zu. Auch unter uns Hühnern ist die Existenz der Dreibeiner nicht völlig unumstritten. Aber ich als schamanisches Huhn muss es ja erstens besser wissen, und zweitens, kommt es darauf ja jetzt auch gar nicht mehr an.

Die Vorstellung allein erhöht doch schon ungemein Ihre Achtsamkeit. Und die Achtsamkeit ist die Schwester der Aufmerksamkeit, wie wir wissen.

Behalten Sie diese also bei bis zu unserem nächsten Treffen!
Das wünscht Ihnen wieder einmal Ihr stets aufmerksames schamanisches Huhn.

Wir unter uns.

 

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