Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 5.
Vergessen Sie die ganze Sache mit den Dreibeinern wieder. Das Huhn hat in diesem Punkt eindeutig halluzinatorische Wahrnehmungsstörungen.
Nun ja, vielleicht nicht nur in diesem Punkt.
Im Übrigen ist das auch seinen Hühnerkolleginnen bekannt. Die lachen heimlich über die Vorstellung, von seltsamen Dreibeinern beobachtet zu werden. Ich freue mich wirklich, dass ich noch gerade rechtzeitig zur Stelle war, um diesen Unsinn gleich einmal wieder ins Reich der Fantasie zu verweisen. Aber irgendwie ist das auch anstrengend, finden Sie nicht? Ein edler moralisch aufgerüsteter Hund wie ich hat nun einmal Anspruch auf ausreichend Mittagsschlaf. Verzeihen Sie mir also, wenn ich den hier jetzt gleich halte. Er ist nämlich wirklich schon einige Minuten überfällig. Ich weiß natürlich, dass das Huhn jetzt wieder aus seinem Bau herausklettern wird, aus seinem Stall meine ich natürlich, um Sie hier aufs neue mit krausen Ideen weißgottwohin zu locken. Allerdings kann nichts Gröberes geschehen, weil ich als mehrfach ausgezeichneter Wachhund früher oder später wieder rechtzeitig zur Stelle sein werde, um jeglichen Unsinn, den das Huhn verzapft hat, einfach zur Gänze verblassen zu lassen. Entschuldigen Sie mich also jetzt bitte kurz, ich komme spääääter wiiiieedeeeer.
Das könnte dem Hund so passen! Er hält sich wohl für so etwas wie den Aufpasser hier, für den edlen Ritter des Verstandes, der dafür zuständig ist, dass Sie den Ihren hier nicht etwa gar verlieren. Vergessen Sie das, was der bellt. Wenigstens hat er soviel Anstand besessen, sich wieder ins Hundekörbchen zu legen und mich in Ruhe mit meinem wesentlichen und durchaus sehr aufschlussreichen Artikel fortfahren zu lassen. Die Dreibeiner gibt es natürlich. Denken Sie nur an die vielen Maulwurfshügel in Ihrem Garten. Oder an das sanfte Zupfen an Ihrem Ärmel, wenn Sie gerade Gemüse einpflanzen, und wenn Sie sich dann aufrichten, ist wieder keiner da, der gezupft hat. Aber wie auch immer. Sie müssen ja daran glauben, wenn Sie die Dreibeiner wirklich wahrnehmen wollen. Ich hingegen kann sie sehen und, – wie im letzten Artikel so vorzüglich anhand eines Beweisfotos auch demonstriert -, sogar bisweilen überraschend fotografieren, schnell genug, dass sie nicht mit einem Satz über die zielgerichtet auf sie gehaltene Linse des Apparates hinwegspringen können.
Das machen sie nämlich für gewöhnlich, wenn ein schussbereiter Fotoapparat auf sie gerichtet wird.
Von den Dreibeinern aber führt ein nahezu gerader Gedankenweg wieder zu unserem Thema zurück. Zur schamanischen Aufmerksamkeit. Die beginnt, wie wir ja schon gehört haben, – ich meine, Sie haben es von mir gehört, um diese wesentliche Tatsache nun einmal nur nicht zu vergessen -, mit ihrer Schwester, der Achtsamkeit.
Die Achtsamkeit bewahrt Sie zuweilen vor so Einigem, das heißt, natürlich nur, falls Sie sie besitzen, und öffnet auch darüber hinaus auch schon das eine oder andere Tor zur magischen Wahrnehmung.
Besitzen können Sie die Achtsamkeit natürlich nicht wirklich, das ist ja wohl ohnehin klar. Aber Sie können so tun als ob, und das läuft dann für den Moment meist auf dasselbe hinaus.
Wenn die Achtsamkeit sehr vertieft und eine Zeitlang angehalten wird, etwas, das uns Hühnervögeln wirklich im Vergleich zu Ihnen als flügel- und schnabellosen Zweibeinern sehr leicht fällt, dann entsteht ein ganz eigenes Gefühl.
Es ist wie der Sekundenbruchteil bevor man das Korn oder den Wurm aufpickt. Ein wirklich erhebendes Gefühl also, und währenddessen verlangsamt sich das gesamte Sehen und Hören ein wenig, als bliebe die Zeit stehen.
Zwischendurch können sich Sie also einen Ruck geben, sich locker zur Seite drehen und irgendetwas ganz Anderes unternehmen, bevor die Zeit wieder zu fließen anfängt und Sie natürlich dann auch wieder an Ort und Stelle sein müssen.
Falls Sie diese kleine nützliche schamanische Übung tatsächlich praktizieren wollen, wäre es aber günstig für Sie, sich nicht allzu weit von dem Augenblick des beginnenden Zeitstillstands zu entfernen, damit Sie nicht etwa versäumten, sich der sich wieder bewegenden Zeit rechtzeitig anzuschließen.
Keine Ahnung was passiert, wenn Sie etwa völlig aus der Zeit fallen sollten. Ich glaube nur, Sie wollten das eben vielleicht auch gar nicht so genau wissen.
Was mir bei dieser kleinen zeitlichen Bewegungsübung aber schon immer wieder etwas seltsam erscheint ist die Tatsache, dass sich die Dreibeiner trotz Zeitstillstands einfach ganz ungeniert weiterbewegen. Das gibt mir dann doch immer wieder zu denken.

Das sind natürlich keine Dreibeiner. Erinnern Sie sich doch gefälligst an das Foto im letzten Teil meiner Sendung! Das sind Österhasen, also österreichische Osterhasen. Genau so sehen die aus. Ja, wir Hühner bekommen eben fast alles, was sich abspielt, so ziemlich eins zu eins mit. Das macht uns ja gerade so außergewöhnlich. Natürlich tragen auch unser feines Aussehen, unsere guten Manieren sowie unser bescheidenes und zurückhaltendes stilles Wesen sehr zu unserer allgemeinen Beliebtheit bei. Die Tatsache, dass wir es sind, die Eier legen, ist da nur noch reine Draufgabe. Leider habe ich jetzt ob dieser berechtigten Eigenlobeshymne aber ganz vergessen, woher und warum diese Österhasen eigentlich genau hierher ins Bild kamen.
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