Spotlight, der schamanische Scheinwerfer…..mit einem früh entstandenen Gedicht
Diesmal ist unser schamanischer Scheinwerfer etwas länger geraten. Er wirft aber auch Licht auf eine bisher nahezu unbekannte Tatsache, die uns oder eigentlich mich zudem noch tief berühren konnte.
Hier zunächst das interessante offenbar schamanisch inspirierte Gedicht, welches sich in einer alten und alpinen Liederbuchsammlung versteckt hinter den eigentlichen Kirchenliedern fand. Das Gedicht wurde zum Zweck besseren Verständnisses aus dem frühmittelalterlichen Tiroler Dialekt von uns direkt ins moderne Hochdeutsche übertragen:
Strahlend grüßt der frühe Morgen
wenn sich Schamanen um Dich sorgen
Wirst Du dann aus dem Hause torkeln
liegt das nicht an Klavier noch Orgeln
auch wenn Du die Musik noch hörst
und lauter als ein Hirsch doch röhrst
Es liegt an Deiner Trunkenheit,
am Glück, und schau: Die Welt ist weit
und blickt ganz tief auf Dich zurück.
Sie sehen, selbst im frühen Mittelalter war schamanische Dichtung in einigen abgelegenen Seitentälern der Zentralalpen noch nicht ganz ausgestorben.
Die Bedeutung des Gedichtes ist zwar eigentlich offenkundig, wir wollen Sie Ihnen aber jetzt trotzdem der Vollständigkeit halber noch einmal explizit nahebringen.
Strahlend grüßt der frühe Morgen wenn sich Schamanen um Dich sorgen….
Hier wird die glücksbringende und heilsame Tätigkeit der Schamanen angesprochen, welche dem Tal oder der hier wohnenden Gemeinschaft zum Wohl gereicht.
Die Schamanen müssen sich allerdings ihrer Aufgabe auch bewusst sein und sie freiwillig als solche annehmen. Erst dann kann man von sorgenden Schamanen sprechen.
Wirst Du dann aus dem Hause torkeln liegt das nicht an Klavier noch Orgeln…
Dieser Teil des Textes ist wohl absichtlich ein wenig geheimnisvoll abgefasst, denn er enthält eine gewisse gesellschaftliche und religionsbezogene Kritik: Der Angesprochene torkelt aus dem Haus, aber weder der Klang wohltemperierter Klaviere noch das Pfeifen der Orgel in der Kirche führen bei ihm zu diesem Erlebnis, obwohl die Musik, welche der Angesprochene zu hören meint, an die Lieblichkeit bestimmter Klavierstücke oder das erhebende Gefühl von Orgelmusik erinnert.
Im nächsten Satz wird die Bedeutung des Vorhergehenden sofort klar. Nein, verzeihen Sie, der nächste Satz handelt ja nur von dem Röhren der Hirsche, welches der im Gedicht angesprochene Mitmensch nun zu imitieren versucht, wobei seine Lautstärke jener seiner natürlichen Vorbilder zumindest gleichkommt.
Die Bedeutung dieses hirschigen Teiles des Gedichtes ist wohl im Zustand des Angesprochenen zu suchen, der jetzt zunächst fast gänzlich außer sich scheint.
Die Erklärung folgt danach jedenfalls gleich auf dem Fuße:
Es liegt an Deiner Trunkenheit, am Glück, und schau: Die Welt ist weit….
Jetzt wird mit einem Mal Alles eindeutig und klar.
Der Angesprochene wurde durch die heilsame Einwirkung der Schamanen, die sich um ihn sorgten, in einen Zustand der Trance versetzt, in dem er sich gleichzeitig wie ein Hirsch, unverwundbar und königlich gelassen fühlt. Er wirkt wie betrunken und ist es auch, doch diese Trunkenheit ist hier nur auf seinen ausgelassenen spirituellen Zustand des Ganz-bei-sich-seins zurückzuführen. Auf diese Weise spart unser im Gedicht als Gegenüber Benannter auch die Kosten für allfällige alkoholische Getränke und erfährt trotzdem sogar noch einen darüber hinausgehenden vielschichtigen und heilsamen Effekt.
Der letzte Satz krönt nun die vorhergehenden Zeilen und führt uns direkt ins Mystische:
Die Welt ist weit….
….und blickt ganz tief auf Dich zurück.
Die Weite der Welt, ihre Unbegrenztheit und ihre spirituellen und magischen Möglichkeiten beginnen sich dem hier Angesprochenen zu öffnen.
Daraus können wir jetzt zum ersten Mal in dieser Untersuchung des Gedichtes etwas über seine Person herausfinden.
Vermutlich handelt es sich bei ihm nicht nur um einen von Schamanen Geheilten, sondern um einen Schüler der oben genannten uns leider im Übrigen ganz unbekannten Schamanen. Denn dieser Schüler erfährt nicht nur die Weite der Welt, er erkennt auch die Tiefe, in der die Welt und somit wohl auch der Spirit auf ihn zurückblicken.
Das bedeutet, dass sich diese unbekannte und für uns wohl für immer in der Anonymität des frühen Mittelalters verschollene Person, um die es hier geht, zu guter Letzt als gelehriger Schüler hochalpiner Schamanen entpuppt.
Sie werden sicherlich verstehen, dass diese nahezu mit wissenschaftlicher Sorgfalt hier an einem einfachen Gedicht abgeleitete Entdeckung, dass es mitten im magischen Reich der Alpen auch im frühen Mittelalter noch schamanische Schulen und Schüler gab, welche sich, genau wie meine SchülerInnen heute, dem schamanischen, magischen und spirituellen Wissenserwerb widmeten, mich tatsächlich immer wieder stark berührt.
Sooft ich aber dieses wunderbare schamanische Gedicht, an dem ich Sie hier gerne teilhaben lassen wollte, vor Augen sehe, verfalle ich sofort in eine Art verzückter Trunkenheit, aus der mich schließlich nur die diversen Ablenkungen des Alltags wieder einigermaßen befreien können.
Genau deshalb empfehle ich Ihnen die Lektüre dieses prachtvollen Zeugnisses alpiner schamanischer Tradition keinesfalls vor dem Zubettgehen oder gar vor dem Autofahren, um allfällige wilde Träume oder unruhige Ausfahrten Ihrerseits durch diese durchaus berechtigte und kluge Vorsichtsmaßnahme geschickt hintan zu halten.

Hier erblicken Sie die Nachfahren der frühmittelalterlichen Schamanen und ihren emsigen Lehrer bei einer morgendlichen Ausfahrt mit ihrem magischen Boot.
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