Stormy Monday, Montagskater 15
Wenn ich in den Bergen unterwegs bin, kommt der Kater auch nicht.
Eigentlich kommt er tatsächlich nur in meinem Zentrum hier in Haag zu mir.
Deshalb dachte ich ja zunächst auch, sein Erscheinen könnte vielleicht mit der Wahl dieses Platzes zusammenhängen. Doch wie wir wissen konnte ich diese Vorstellung rechtzeitig widerlegen und begann anstatt dessen, mich mit dem eigentlichen tieferen Wesen des Katers zu befassen. Oder, um hier nicht zu sehr von der Wahrheit abzuweichen, war es ja nicht das Wesen des Katers, welches mich beschäftigen sollte, sondern mein eigenes. In den Tiefen meines eigenen Wesens wollte ich nach den Ursachen des montäglichen Katers suchen.
Soweit so gut. Nur kommt der Kater eben nicht immer. Zum einen hat er sich offenbar einen eher zweiwöchentlichen Rhythmus angewöhnt, an den er sich ziemlich strikt zu halten pflegt, und zum zweiten kommt er eben nur in mein eigenes Zuhause und sonst nirgendwo hin.
Außerdem verschont er mich widerwärtiger Weise beim Auftreten von Hitzewellen und Taifunen.
Letzteres, also die Zurückhaltung des Katers beim Auftreten von Taifunen, kann ich allerdings nicht aus eigener Beobachtung bestätigen. Dabei handelt es sich tatsächlich nur um eine ganz unbestätigte Vermutung von mir.
Unbestätigte Vermutungen sind sonst ja meine Sache als Schamane nicht.
Im Allgemeinen pflege ich nämlich alles, was ich meinen SchülerInnen oder InteressentInnen so zeige, auch gleich einmal zu demonstrieren. Das erhöht die Glaubwürdigkeit des Angesprochenen nämlich einfach wirklich unglaublich.
Aber bei Taifunen und dem Kater will ich hier einmal eine Ausnahme machen.
Taifune treten meines Wissens im südlichen Mostviertel nämlich bisher noch fast nie auf.
Natürlich kann sich das jetzt in den nächsten Wochen oder Monaten oder ein paar Jahren aufgrund der Unberechenbarkeit der durch die Klimaverschiebung auftretenden heftigen Wetterphänomene auch ändern. Aber bisher gab es einfach keinen Taifun, der über mein Zentrum jagte, und deshalb kann ich auch nicht wirklich mit Sicherheit sagen, wie sich der Kater in einem solchen etwa verhalten würde.
Vielleicht flippt er ja völlig aus. Aber ich glaube es nicht. Im Normalfall ist er nämlich ungemein beherrscht, ja schon geradezu unanständig gelassen. Er hält mich offenbar für leichte Beute, mit der er nach Belieben spielen kann. Aber das werde ich ihm schon noch austreiben.
Inzwischen kann ich natürlich leicht lachen, beziehungsweise ihm frech die Katzenzunge zeigen.
Denn genau an diesem Montag, wo sein Auftauchen eigentlich zu erwarten wäre, werde ich mich nicht einmal ungefähr in seiner Nähe aufhalten. Ich werde am Berg sein, genauer gesagt, auf einer Feenwanderung in Südtirol.
Da hat der Kater keine Chance, mich zu überraschen.
Zu sehr will ich ihn jetzt aber auch nicht verspotten und verärgern, weil ich ja beim besten Willen nicht meine gesamte Zukunft als Bergnomade auf hohen Wegen verbringen kann und will. Außerdem werden die Berge im Winter schon eher ein wenig unzugänglich und zudem noch ausgesprochen kühl.
Meine Winterwanderungen können Sie deshalb an einer Hand abzählen. Nun ja, vielleicht an zweien. Aber im Allgemeinen besuche ich die Feen eher im Sommer.
Genau deshalb wird es sich aber wohl oder übel nicht vermeiden lassen, dem Kater wieder hier in meinem Zentrum zu begegnen. Und bis mir eine wirksame Anti-Kater-Strategie eingefallen ist, muss ich mich eben in einer gewissen Zurückhaltung üben, um das launische und leicht reizbare Katzentier nicht etwa gar zu sehr gegen mich aufzubringen.
Trotzdem, ein wenig Spott über den unbeweglichen, auf das Hier und Jetzt fixierten Kater darf schon sein.
Sie meinen, wir wären ja Alle ganz und gar dem Hier und Jetzt ausgeliefert?
Da haben Sie zwar größtenteils Recht, doch für Schamanen gilt das eben nicht immer. Wir Schamanen leben zuweilen auch in der Zwischenzeit und in der Zeitlosigkeit und halten uns auch immer wieder einmal in ganz anderen Zeiten auf als denen, die Sie vielleicht schon kennen.
Kennen und nicht kennen. Darüber könnte ich auch einen langen Blog schreiben. Und von jenen Menschen, die zu mir kommen und schon alles zu kennen meinen, was Schamanismus so ausmacht. Meistens geht das dann in unserer gemeinsamen Kommunikation gar nicht gut aus. Da bin ich ein wenig von der Art des Katers. Ich bleibe zwar freundlich, im Gegensatz zu dem grimmigen Katertier, aber ich gebe den Leuten nicht einfach nur Recht, damit sie etwa mit dem zufriedenen Gefühl nach Hause führen, einen Schamanen jetzt einmal ordentlich etwas über Schamanismus beigebracht zu haben. Nein, das geht nun einmal wirklich nicht.
Leider scheint es so Manchen zu befriedigen, sich selbst in der Ansicht bestätigen zu können, dass man wirklich nichts aber auch schon gar nichts mehr von einem Anderen lernen könnte.
Schon gar nicht wollte diese vom Narzissmus angetriebene Person etwa gar irgendetwas von einem Wissenden lernen, weil sie selbst ja längst über all diesen Dingen des Lebens, die mit nötigem Wissenserwerb zusammenhingen, stünde….Ach Sie verstehen vielleicht schon was ich meine.
Derartige Zeitgenossen sind mitunter das Leid des Erfahrenen. Oder zumindest lösen sie bei mir zuweilen ein gar hartnäckiges Kopfschütteln aus, das ich dann wie eine Art Schnupfen für ein paar Tage mit mir herum und vor mir hertrage.
Ob Sie es nun selbst glauben oder nicht: Ich denke, dass wir alle selbstverständlich beständig von einander lernen, und ich selbst bin ja auch nur allzu gern dazu bereit.
Wahrscheinlich kommt eine solche wiederbelebte Bereitschaft aber erst mit Jahren und Jahrzehnten mehr oder weniger mühsamen Wissenserwerbs zu einer dann eben schon etwas erfahreneren Person zurück.
Falls Sie also tatsächlich zu denjenigen Menschen gehören sollten, die einen erfahrenen Schamanen nur deshalb besuchen wollten, um ihm endlich darüber Aufschluss zu geben, wie Schamanismus im Allgemeinen und die Welt im Besonderen so funktionierten, dann dürften Sie sich eben nicht darüber wundern, dass ich vielleicht nicht in Allem mit Ihnen übereinstimmen könnte.
Doch das geht eben einfach nicht. Die Welt ist dafür einfach zu komplex. Zumindest meine.
Wahrscheinlich liegt es bei mir aber eigentlich nur daran, dass der Kater mir keine Ruhe lässt.
Dieses dauernde innere in Bewegung Bleiben lässt mich nämlich so gut wie gar nicht wirklich erstarren. Das ist jetzt kein besonderer persönlicher Verdienst meinerseits. Erstarren kann ich mir eben einfach nicht leisten, solange der Kater hinter mir her ist. Und genau deshalb kann ich mir dann eben auch keine starren Meinungen von irgend etwas oder nahezu allem bilden.
Das erlaubt mein Status als katergeplagter Schamane eben einfach nicht. Selbst wenn ich etwa heimlich gern auf diese Art geistig und spirituell verkommen wollte, mein Kater ließe es nicht zu.
Lieber bleibe ich also gleich beim Offensichtlichen und Wahren.
Sie können Hier und Jetzt sehen, wie ich elegant das eigentliche Katerthema umgehe und ihm, dem Kater, sogar indirekt schmeichle, indem ich seine Nützlichkeit als mich immerzu in Bewegung haltende Kraft betone.
Damit habe ich jetzt aber mein Soll an Worten und Zeichen ohnehin schon überschritten und kann mich den schon hungrig auf mich wartenden Bergen zuwenden.
Auch diese verlangen nämlich von einem Schamanen zuweilen seine ganze magische Achtsamkeit.
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