Stormy Monday, Montagskater 12
Was soll ich Ihnen sagen: Der Kater hat offenbar ein eigenes Thermometer, Barometer oder jede Menge Laufmeter in seinen katzenhaft beweglichen Leib eingebaut. Oder er hat sich diese Dinge in den letzten Jahrhunderten,….
……in denen er ja höchstwahrscheinlich schon zum beständigen Begleiter der Menschheit, oder richtiger gesagt, einzelner ausgesuchter Exemplare derselben, wurde, einbauen lassen. Wer weiß schon, wie er das genau angestellt hat.

Aber soviel ist klar: Er reagiert äußerst wetterfühlig. Ob das nun von den, von seinen inneren Organen längst als organische Bestandteile wahrgenommenen, eingebauten Thermometerteilen oder vom eingebauten Barometer ausgeht, habe ich bisher nicht mit letzter Sicherheit herausfinden können.
Entweder er geht mit der Temperatur oder mit dem Luftdruck.
Aber es könnte natürlich auch sein, dass er einfach die Schritte, welche er katzenhaft schleichend, ich meine hier natürlich vor allem, katzenhaft durch mein magisches Haus schleichend, zurücklegt, permanent mit der auf den Pfoten wahrnehmbaren Hitze vergleicht und sich dadurch ein Bild von dem mehr oder weniger sommerlichen Zustand der Außenwelt macht.
In jedem Fall ist er im Sommer besonders unausstehlich.
Da stellt sich das riesenhafte Tier einfach unvermutet hinter mir auf, und lässt dann mit einem Mal ein Zwischending zwischen einem ungeheuren Katzenniesanfall und einem durchdringenden Katzenhustengeräusch vernehmen, in welchem ich auch Untertöne boshaften Lachens zu finden meine.
Das führt naturgemäß dazu, dass ich vor lauter Schreck einen weiten Satz nach vorne mache. Falls ich dabei zufällig vor meiner Hausmauer oder einer größeren Rose stehen sollte, geht das dann für mich im nächsten Moment nicht gut aus.
Nebenbei gesagt, habe ich das unbestimmte aber doch recht deutliche Gefühl, dass der Kater diese Nummer mit dem Erschrecken seiner ihm anvertrauten menschlichen Begleitperson immer gerade dann abzieht, wenn sich diese, also im konkreten Falle ich, genau vor der Hausmauer oder der großen Rose befindet. Er macht das also absichtlich. Ich durchschaue ihn in diesem Punkt ganz genau.
Im Übrigen muss ich mich natürlich noch einmal korrigieren. Ich bin nicht seine ihm anvertraute menschliche Begleitperson, sondern er ist der mir nachschleichende plötzlich auftretende Montagskater, der ganz ohne bewusste Einladung von meiner Seite eines schönen Tages, also genauer gesagt natürlich eines schönen Montages, in mein Leben trat, um mich seither mehr oder weniger dauerhaft zu begleiten, obwohl ich ihm diese Stellung ja gar nicht in irgendeiner Weise auch nur im Entferntesten etwa hätte anbieten wollen.
Er kam also von selbst und blieb seitdem an meiner Seite. Und er macht das, was er eben so macht, wahrscheinlich sogar absichtlich genau so, wie er es eben immer wieder zu tun pflegt.
Doch diesen Montag wird sich das alles einfach ändern. Ich werde den Montagskater nämlich diesmal einfach ganz geschickt und unverschämt überlisten. Was in der Folge eigentlich auch dazu führen müsste, dass ich mir weitere Nachforschungen in meinem tiefen schamanischen Inneren endgültig ersparen könnte. Schließlich sind solche Expeditionen zwar häufig jedoch nicht immer von Erfolg gekrönt, verlangen aber praktisch immer mit fast hundertprozentiger Sicherheit Ihrem Betreiber unglaubliche Mühen und Anstrengungen in geistiger, seelischer und manchmal sogar in körperlicher Hinsicht ab.
Wobei die körperlichen Mühen in meinem Fall wohl vor allem durch das ewige Auf-und Abgehen in meinem geräumigen Wohnzimmer verursacht werden. Denn beim inständigen in-mich-Gehen pflege ich zugleich auch äußerlich mit flottem Schritt eine gewaltige räumliche Distanz zurückzulegen.
Damit mich diese Vorgangsweise aber nicht fußtechnisch belastet, indem sie mich unversehens dazu bringt, auf meiner Reise nach China das doch recht gewaltige Gebirgsmassiv des Himalaya zu überschreiten, gehe ich kluger Weise nur auf und ab.
Die von mir dabei zurückgelegte Strecke wird dadurch zwar nicht kleiner, die Entfernung von meinem ursprünglichen Ausgangspunkt beträgt aber maximal neun bis zehn Meter, je nachdem an welchem Punkt meines Wohnzimmers ich mich zur Umkehr im Sinne eines Richtungswechsels entschließe.
Doch lassen Sie mich lieber wieder zu meinem genialen Plan zurückkehren. Ich werde den Kater also ein für alle Mal überlisten. Dazu habe ich mir nun Folgendes ausgedacht:
Katzen sind bekannter Weise wasserscheu. Das bin ich zwar im normalen Leben auch, doch ich kann mich erstens doch recht gut überwinden, wenn es nun einmal nötig ist, und zweitens habe ich für den Fall des Falles eine Art Sicherheitsnetz eingebaut, weil ich die ganze Aktion mit dem Wasser ganz einfach in meine Badewanne verlegen konnte.
Also wird mein ganzer gut vorbereiteter Plan jetzt wohl folgendermaßen vor sich gehen:
Zuerst fülle ich die Badewanne mit Wasser von angenehmer Temperatur.
Dann stelle ich sie mitten im Wohnzimmer ab und warte, bis der Kater kommt.
Durch die besondere Form und magische Gestalt meiner Wanne bin ich voraussichtlich völlig unsichtbar für ihn.
Denn erstens steht sie frei im Raum und zweitens noch dazu auf drei Entenfüßen, genau wie in der Legende das Haus der Baba Yaga.
Eine auf drei Entenfüßen daherkommende oder zumindest im Weg stehende Badewanne erwartet der Kater jedoch nicht.
Ich als seine eigentliche Zielperson komme ihm aufgrund der doppelten Magie des ihn zurückweisenden Wassers und der paradox anmutenden Entenfußwanne einfach gänzlich abhanden. Er kann mich weder sehen noch riechen noch hören noch sonst irgendwie meine Existenz weiter wahrnehmen.

Hier sehen Sie den Schamanen in seiner Entenfußbadewanne, völlig unsichtbar für jeden Kater. Um die magische Wirkung des Rituals noch zu erhöhen, hat er auf anmutige Weise sogar seinen Schamanenhut während des Bades auf seinem Kopfe platziert.
Daraufhin wird sich der Kater zähneknirschend und völlig entmutigt einmal im Kreis drehen, sich dann aber hurtig aus dem Staub machen, um sich ein anderes leichter auffindbares Opfer wie beispielsweise meine Schwester zu suchen. In letzterem Fall bliebe er zwar in der Familie, und ich müsste mir dann wohl oder übel auch zeitweise die Klagen meiner liebsten Schwester über das plötzliche und unerwartete Auftauchen eines übellaunigen Montagskaters anhören, aber immerhin: ich wäre ihn los.
Okay, das mit meiner Schwester streichen wir jetzt lieber wieder. Er kann sich ja auch in einem fernen Land oder einem noch neu zu entdeckenden Kontinent ein passendes Opfer suchen. Mir wird er dann jedenfalls nicht mehr abgehen. Und falls ich ihn zufällig einmal auf der Straße treffe sollte, werde ich mich hüten, ihn freundlich oder auch nur in distanziertem Ton zu begrüßen, um unsere Bekanntschaft keinesfalls etwa gar von neuem aufleben zu lassen.
Lesen Sie weiter im nächsten Montagskater, wie mein schlauer Plan mit dem Überlisten des Untiers seinen Fortgang nahm….
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