Stormy Monday, Montagskater 9
Was musste ich staunend im letzten Montagskater-Blog herausfinden:
Mein schamanisches Zentrum ist nicht der Grund für den beharrlich an so manchem Montag bei mir auftauchenden Montagskater.
Im Gegenteil. Dieser feine Ort der Kraft ….
…..bewahrt mich wahrscheinlich eher vor dem Schlimmsten, dem vollen Einsetzen des Katers, dem Abtriften in die Tiefe der Montagsschlucht.
Es muss also andere Gründe für den Kater geben, soviel ist gewiss.
Es liegt tatsächlich an etwas Anderem.
Aber woran nur?
Ich werde wohl tief in mich gehen müssen, um das herauszufinden.
Tief in mich. Das ist ziemlich tief bei einem Schamanen wie mir.
Folgen Sie mir aber ruhig dorthin. Es schmerzt gar nicht.
Zumindest nicht, wenn Sie etwas schwindelfrei sind.
Wir sehen uns also bald wieder, auf einer Expedition in die Tiefe des Schamanen.
Direkt unter der Pranke eines riesenhaften, ja eines gewaltigen, eines wirklich ungeheuren aber glücklicher Weise nur montags erscheinenden Katers.
Der kursive Teil des Textes war jetzt genau genommen eigentlich nur dem Schlussteil des letzten Montagskaters entnommen.
Der enthielt dementsprechend also zwar nichts wirklich Neues für Sie, falls Sie ein beständiger und sorgfältig planender Leser sind.
Sorgfältig planend bezieht sich auf das Erscheinen der verschiedenen Rubriken der Zeitung.
Stormy Monday oder Montagskater erscheint ja beispielsweise hier nur alle zwei Wochen.
Ich sage das nur, damit Sie es jetzt bemerken, wenn es Ihnen vielleicht bisher noch nicht aufgefallen sein sollte.
In diesem Fall wären Sie nämlich zwar möglicher Weise ein beständiger und sorgfältig planender Leser, mit Sicherheit aber kein aufmerksamer.
Oder Ihr Gedächtnis lässt nach. Mein Gedächtnis lässt ja ebenfalls zeitweise schon etwas zu wünschen übrig. Aber die wichtigen Dinge merke ich mir noch. Oder falls nicht, kann ich mich zumindest inzwischen nicht mehr daran erinnern, dass genau diese vergessenen Dinge in meinem Leben irgendwie oder irgendwo oder im Irgendwann des Schamanen eine wesentliche Rolle hätten spielen sollen.
Kommen wir aber zu dem Absatz mit der sorgfältigen Planung zurück.
Das klingt doch irgendwie recht souverän, finden Sie nicht auch?
Ich meine damit aber eigentlich nur Folgendes:
Wenn Sie beispielsweise schon wissen, dass der Montagskater nur alle zwei Wochen erscheint, und Sie vielleicht beschlossen haben, Ihre Teilnahme an dieser faszinierenden schamanischen Zeitung nur auf genau denselben, den Montagskater nämlich, zu beschränken, um durch eine eher umfassende Lektüre unseres bewusstseinserweiternden Blattes nicht zu sehr in die schamanische oder wissende Ecke gedrängt zu werden, dann besteht sorgfältiges Planen eben genau im Anstreichen des richtigen Montags in Ihrem Kalender.
Wahrscheinlich ist Ihr Kalender aber heutzutage ebenfalls virtuell und Sie können gar nicht wirklich sinnlich und ausführlich nach Herzenslust darin solange herumstreichen wie Sie nur wollen.
Zumindest könnten Sie sich aber das Erscheinungsdatum des neuen Montagskaters dann trotzdem irgendwie virtuell notieren, wie immer das auch funktionieren mag.
Das umfassende und ganz intensive Lesen der schamanischen Zeitung ist im Übrigen zwar tatsächlich viel zeitaufwändiger als das Herauspicken einzelner wunderschöner Rubriken, vor allem solcher, die nur alle zwei Wochen erscheinen.
Aber dafür führt Sie das intensivere Lesen der Zeitung zwar zunächst noch unauffällig aber etwas später dann doch ganz unaufhaltsam aus Ihrem gewohnten Denken und Fühlen heraus.
Tatsächlich ist die Zeitung nämlich so konzipiert, dass sie Schritt für Schritt zu ganz bestimmten veränderten Bewusstseinszuständen führt.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle ja besser sagen:
Dass sie Schritt für Schritt zu bestimmten veränderten Bewusstseinszuständen führen kann.
Danach würde sicher noch eine Art gut gemeinter Warnung folgen, wie:
In Bezug auf erwünschte oder unerwünschte Nebenwirkungen dieses Medikaments fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Aber ich verzichte lieber darauf.
Erstens bin ich mir ziemlich sicher, dass eine intensive und ausführliche Lektüre der Zeitung Sie eben genau in diese ausgewählten veränderten Bewusstseinszustände eintauchen lässt, und zweitens muss ich Sie doch hoffentlich nicht davor warnen.
Genau deshalb liest der Mensch doch eine schamanische Zeitung, wie ich jetzt einmal ganz naiv annehmen darf.
Die Magie, welche aus der Zeitung quillt, zusammen mit der das Bewusstsein des Lesers verschiebenden Sichtweise des Schamanen, bilden doch das Rückgrat dessen, was Sie hier getrost von uns erwarten dürfen.
Daran können Sie gleich einmal erkennen, dass der Begriff schamanische Drogen viel weiter gefasst werden muss als Sie es bisher vielleicht glauben konnten.
Denn wir hier im Nagual-Schamanismus kommen im Kern immer ohne bewusstseinsverändernde Substanzen in Pflanzenform aus.
Manchmal räuchern wir zwar ein wenig Stechapfel bei der Trance oder arbeiten mit der Kraft von Pflanzengeistern, aber Sie bekommen dabei praktisch nie genug von irgendeinem psychoaktiven pflanzlichen Stoff ab, um allein davon berauscht oder in Ihrer Wahrnehmung deutlich beeinflusst zu werden.
Nein, das Alles nützen wir nur wie Andere den Weihrauch in ihren Kirchen.
Auf der anderen Seite genügen oft ein paar Klänge, Sätze, ja manchmal sogar die Stimmung der Kraft, die sich über die Jurte legt oder sich auf der magischen Alm der Fee verbreitet, und Sie erkennen sich selbst und die Welt um Sie herum nicht wieder.
Auch diese Zeitung enthält etwas von diesem Bewusstseinszauber, und genau das ist eben hier auch beabsichtigt.
Allerdings erklärt das jetzt noch keinesfalls den Montagskater.
Außerdem wurde Ihnen, soweit ich mich jetzt erinnere, im letzten Teil dieses Blogs doch mehr oder weniger versprochen, dass ich mich selbst Hals über Kopf in die unheimliche Tiefe meines schamanischen Inneren stürzen würde.
Und Sie könnten dabei als magisch und spirituell interessierter Leser sozusagen ganz unversehens zum Voyeur einer schamanischen Innenschau werden.
Leider scheint mir das aber an diesem, dem heutigen Montag eher nicht mehr zu passieren.
Der Montagskater hat zwar seine mächtige und vielleicht auch prächtige Pranke erhoben und holt schon wieder zu einem kraftvollen Schlag in Richtung auf mein schamanisches Haupt aus.
Doch genau in diesem Augenblick schlägt eine feine aber unüberhörbare Glocke an.

Diese seltsame Glocke, die ich höre, gehört wohl zu dieser ebenfalls recht seltsamen Uhr, die mich immer wieder einmal ganz herzlos aus meinem wichtigen Tun herausreißt. Ich würde die Uhr ja ganz gern einmal für längere Zeit abstellen, das scheitert aber daran, dass ich bisher noch nie herausgefunden habe, wo sie sich jetzt eigentlich genau befindet.
Die ertönt immer genau dann, wenn ich versehentlich dabei bin, die vorgesehene maximale Länge eines Blogs oder Blogteiles wieder einmal schändlich und gewissenlos zu überschreiten.
Ich kann aber nichts dafür, weil fast meine ganze Familie mittelalterlicherseits von berüchtigten Räuberbanden abstammt, die eben, wahrscheinlich entweder auf Grund sozialer Ausgrenzung oder bitterer Armut oder vielleicht einfach auch nur genetisch bedingt, kein Gefühl für angemessene Grenzen oder ein stimmiges gesellschaftliches Verhalten an den Tag legen konnten.
Deshalb finde ich mein Überschreiten der Blog-Grenzen auch nicht zu arg.
Trotzdem folge ich gern immer wieder einmal dieser inneren Uhr. Sie hilft mir auf jeden Fall, mich schriftstellerisch nicht zu sehr zu überarbeiten.
So bleibt mir dann noch genügend Zeit und Energie für meine eigentliche, die schamanische, magische, spirituelle und ekstatische Arbeit über.
Das ist jetzt natürlich wirklich gut so.
Nur das Abtauchen in die eigene Tiefe kommt dabei eben diesmal wirklich viel zu kurz, weil es jetzt praktisch so gut wie gar nicht stattgefunden hat.
Immerhin hat der Kater beim Lesen dieses Blogs vergessen, mich mit seiner riesigen Pfote zu Boden zu werfen. Ja, Sie werden es kaum glauben, aber der liest ebenfalls meinen Blog, warum er das tut weiß ich jedoch auch nicht so genau.
So gut wie gar nicht stattgefunden, habe ich gerade geschrieben. Das stimmt jetzt nicht so ganz.
Wollen wir doch an dieser Stelle diesmal wirklich ganz dicht an der Ehrlichkeit bleiben.
Die versprochene schamanische Tiefentaucherei hat bisher offenbar ja noch gar nicht stattgefunden. Nicht ein bisschen.
Schade aber auch.
Bleiben Sie dementsprechend neugierig auf unser Wiedersehen hier zur selben Zeit.
Ich darf mich jetzt fast katerfrei für diesmal von Ihnen verabschieden.
Bis zum nächsten Mal, bis dann also, wenn sich der Montagskater wieder durch die Ritzen einer gerade erst beginnenden Woche zwängt, um mir seine schon vertraute aber manchmal doch ein klein wenig unliebsame Aufwartung zu machen.
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