Nüchtern betrachtet…diesmal von Bettina
Kaum bin ich von einem magischen Abend zurück in meiner Alltagswelt, schon kommen wieder alle möglichen Gedanken bei mir auf. Ja, so ist das eben bei mir, und nebenbei glaube ich auch, dass ich diese leicht grüblerische Eigenschaft ganz sicher von meiner Mutter geerbt habe. Obwohl sie eigentlich nie zu magischen Abenden geht.
Am Wochenende also war ich bei einem Workshop in Haag, Frauenabend, immer sehr schön, befruchtend und verbunden und eben nur für Frauen. Wir sind da sehr streng und fallen auf diverse Versuche der Männer, sich vielleicht doch einmal gut getarnt in die Frauengruppe einzuschleichen, gar nicht rein. Nein, wir tratschen, meditieren und trinken Prosecco, letzteres nach den Meditationen und schamanischen Ritualen, in unserer schamanischen Extrazeit sozusagen.
Hier also ein kleiner Ausschnitt aus dem wunderbaren Frauenabend. Männer bitte jetzt gleich artig wegschauen und nichts weglesen!
Eine Meditation hat es mir letztes Mal besonders angetan. Die Meditation der ACHT. Man stelle sich ein Gegenüber vor (der Partner, ein Familienmitglied, ein Freund oder ein mühsamer Mensch in der Umgebung) und stellt sie/ihn/jene in die eine Hälfte der Acht, sich selbst in die andere Hälfte. Die Acht symbolisiert Unendlichkeit und hat es mir seit meiner ersten Jugendliebe angetan. Hätte es damals schon an jeder Straßenecke Tattoo-Shops gegeben, wer weiß, was in einem Anflug der Rebellion (ich komme aus sehr wohlerzogenem Hause) passiert wäre… ich bin nebst der Nüchternheit nämlich auch sehr emotional.
Wie auch immer, zurück zur Meditation: also, jeder steht in „seiner“ Hälfte der Acht, verbunden in der Mitte, oder eben getrennt in der Mitte. Diese Mitte schafft beides, Verbundenheit und Trennung, schafft einen eigenen Raum für jeden. Herrlich!! Ich bleibe bei mir, du bleibst bei dir. „Verbundenheit in Autonomie“, ein Satz, den Udo mir einmal gesagt hat und der seitdem auf meiner Pinnwand hängt.
Soviel ich weiß, ist diese Meditation ja etwas durchaus bekanntes.
Aber vergessen wir nicht, dass sie hier bei uns im Nagual-Schamanismus noch eine zweite Bedeutung hat: Die Acht der Spirits, was nichts anderes heißen soll, als dass wir Menschen uns den Geistern der Natur gegenüberstellen, oder die Zivilisation der wilden Natur, oder auch das Fassbare in uns dem Unfassbaren, wo immer sich das jetzt gerade hier und dort und noch an ganz anderen Orten wohl aufhalten mag.
Was mir also daran gefällt, ist diese herrliche Unabhängigkeit trotz oder gerade in der Beziehung zum Anderen, zum Partner beispielsweise.
Kahlil Gibran schreibt schon in seinen Gedichten davon, – und auch das wird oft zitiert bei Hochzeiten und Liebesbekundungen -:
„Aber lasst Raum zwischen euch.“… oder „…die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen.“
Nun ja, leichter gesagt als getan, für mich zumindest.
Die Balance zwischen Hingabe und Abgrenzung.
Leichter wird es für mich dann, wenn ich daran denke, dass ich durch die Abgrenzung dem Gegenüber seine Würde lasse, seinen Raum und wenn ich gleichzeitig darüber nachdenke, warum es für mich zeitweise so schwierig ist, die Kontrolle aufzugeben.
In allen möglichen Situationen meditiere ich gerade darüber oder konzentriere mich einfach auf dieses Bild, ja selbst heute morgen beim Joggen.
Es ist wunderschön, gibt Luft und Freiheit und ist eine gute Übung, wenn der Kontrollzwang wieder durchschlägt.
Komisch beim Lesen dieses Beitrags denke ich: „ … das ist wirklich sehr nüchtern“, obwohl das Gefühl dahinter liebevoll und voller Emotionen ist.
Nicht umsonst wurde ich gefragt, ob ich nicht vielleicht in der Rubrik „Nüchtern betrachtet“ schreiben wolllte.
Gruppendynamisch bin ich teilweise ein Gegenpol zu einigen Anderen in der Gruppe, also zu den gar nicht so Nüchternen, zu den Romantikerns des Schamanismus, zu den zeitweilig ganz schön verrückt ekstatisch Angehauchten.
Aber das ist wohl ein anderes Thema, worüber es sich ja vielleicht auch lohnt in einem anderen Blog zu schreiben…
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