Der schamanische Leckerbissen, 7

Pastelldämon

Hier finden wir uns im zweiten Teil der Geschichte meines afrikanischen Vorfahren wieder. Er war wohl ein Meister der Untertreibung. Oder vielleicht auch ein Experte des Gegenteils derselben. Das kann ich jetzt aus der Ferne von Raum und Zeit nicht mehr ganz so leicht herausfinden. Doch in meinem Buch, aus dem dieser Leckerbissen stammt, steht es wohl um ihn jetzt folgender Maßen:

Nach gründlichem Durchlesen seiner ganzen umfangreichen Rezeptsammlung gelang es mir in tage- und nächtelanger mühseliger Recherche, sein gut gehütetes Geheimnis des schmackhaftesten Eintopfs Alt-Afrikas zu lüften.

Grundsätzlich verkochte mein Ururgroßvater alles, was ihm über den Weg lief und mehr als zwei Beine hatte.

Außerdem warf er stets ein wachsames Auge auf den Gast, damit dieser vor Fertigstellung des Eintopfs nicht etwa schon von dem entstehenden kulinarischen Kunstwerk zu kosten wagte.

Und so kam es angeblich häufig vor, dass der hungrige Gast aus diesem Grunde mehrere Tage lang vor dem immer köstlicher duftenden Kessel mit dem Eintopf stehend dessen endliche Reifung zum besten Gericht der Welt abwartete, während mein doch etwas misstrauischer Ahnherr ihm mit vorgehaltenem Gewehr jegliche noch so kleine Kostprobe verweigerte.


Hier das originalgetreu wiedergegebene Zelt meines Ururgroßvaters mütterlicherseits.
Darin entstanden die meisten seiner unglaublich spitzfindigen Kochrezepte und wurden dann auch sogleich an zufällig Vorbeireisenden ausprobiert. Soweit ich unterrichtet bin, ist dieses Zelt inzwischen ein Museum für europäisch-afrikanische Kochsynthesen geworden.


Bei diesem Stück außergewöhnlicher Waffenhandwerkskunst soll es sich angeblich um das lange verschollen geglaubte Wundergewehr meines Ahnen handeln. Charakteristisch für diese Waffe war der perspektivisch vergrößerte Lauf, der den Träger der Waffe somit in die für ihn sehr vorteilhafte Lage versetzt, damit auf eine fast beliebig große Anzahl kleinerer Tiere oder auch genauso gut auf ein fast beliebig großes einzelnes Tier zielen zu können.


Falls der Schuss sich nicht lösen ließ, griff mein Ururgroßvater oft auf die Hilfe vergifteter Wurfpfeile zurück, die er gar vortrefflich von sich zu schleudern verstand. So hatten selbst Säbelzahntiger und Wollhaarnashorn keine Chance zu entkommen und starben durch ihre gezielte Bejagung von Seiten meines Ahnen – so peinlich es mir jetzt auch ist, dies vor Ihnen allen öffentlich einzugestehen – schließlich innerhalb kurzer Zeit völlig aus.
Auf diesen Teilabschnitt der historischen Taten meines Ururgroßvaters mütterlicherseits ist unsere Familie selbstverständlich nie besonders stolz gewesen.

Mein Schluss, den ich messerscharf aus dieser Vorgangsweise ziehen konnte, lautete nach längerer reiflicher Überlegung so, dass der hungrige Gast in dem Zustand, in den ihn das unerhört grausame, doch wohlüberlegte Verhalten meines Ahnen versetzte, schließlich auch Giraffenhufe, Löwenschwänze und Termitenköpfe sowie einen nicht unbeträchtlichen Teil des kupfernen Kessels essen konnte und dabei vor Verzückung über das außergewöhnlich Schmackhafte dieses Gerichtes gar nicht mehr aus dem Schwärmen herausfand.


Ah, hier haben Sie es wieder. Dieses Bild zeigt zwar leidenschaftliches Jagen in Vollendung, hat aber sonst mit meiner, Ihnen hier zu Füßen gelegten, Geschichte rein gar nichts zu tun.
Es wurde mir also höchstwahrscheinlich von jemandem unauffällig untergejubelt, als ich gerade abgelenkt war.
Diese Person muss jedenfalls jemand sein, der Tiger besonders attraktiv findet.
Tiger, Tiger, Tiger … keine Ahnung.
Raubkatze. Tiger.
Eine mächtige Raubkatze eben. Sonst nichts.
Eine Katze.
Katze, Katze…..seltsam…..
Ich habe wirklich keine Ahnung, was in aller Welt dieses Bild für Irgendjemanden auf Erden wohl bedeuten könnte.


Hier hingegen sehen Sie einen durchaus relevanten Bezug zu unserer Geschichte. Mein Ururgroßvater mütterlicherseits bei seinen ersten noch etwas tollpatschigen doch trotzdem schon unglaublich anmutigen Jagdversuchen – zu diesem Zeitpunkt noch mit Pfeil und Bogen, dafür aber, um die Distanz zur möglichen Jagdbeute zu verringern, schlauerweise vom Rücken eines behänden Pferdes aus zur Tat schreitend.

Allerdings gibt es noch zwei andere mögliche Deutungen derselben Geschichte.

Zum einen wird auch behauptet mein verehrter Ahne habe ein geheimnisvolles Kraut über dem Topf zerrieben und eine gewisse Menge davon in denselben als Zutat hineingetan.

Erst dieses Kraut hätte es den Gästen ermöglicht, den wunderbaren Geschmack des Großwildjägereintopfes wirklich richtig einzuschätzen.

Doch erst bei der dritten und sehr geheimnisvoll beginnenden Deutung der Geschichte meines Vorfahren wurde ich schließlich mit einer wunderbaren Erkenntnis beglückt. Lesen Sie mehr über die grandiose Auflösung des Rätsels meines so plötzlich verschwundenen Vorfahren und lernen Sie dadurch meine, Ihre und die ganze Geschichte Afrikas und Europas zum ersten Mal in ihrer nur scheinbar komplizierten Gesamtheit verstehen. Folgen Sie also unerschrocken dem roten Faden der Handlung im nächsten Teil dieser Geschichte…..

Das Beitragsbild zeigt unbestätigten Gerüchten zufolge den Topf, in welchem mein Vorfahre….

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