Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 15

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Okay, eine Sache hätten wir geklärt. Zumindest fürs Erste…

Der Hund hat sich nämlich inzwischen zumindest bereit erklärt, mir den Vortritt beim Verfassen dieses Textes zu überlassen, was im Klartext wohl bedeutet, dass er sich frühestens beim nächsten Mal wieder in die Gestaltung dieser Sendung einmischen wird.

Damit kann ich momentan gut leben.

Sie wissen ja, vielleicht gibt sich Smeralda bis dahin einen völlig neuen Namen und daraufhin geschieht es mitunter, dass Sie und ich uns vielleicht nicht mehr begegnen, weil sämtliche Brücken der Kommunikation zwischen Huhn und Mensch zusammengebrochen sein könnten, oder, was ja sicherlich sehr wünschenswert wäre, der Hund verschwindet mit einem Mal aus meinem und Ihrem Leben und die Sendung mit dem Huhn wird wahrhaft zu einer solchen.

Das hätte diese Sendung ja von Anfang an schon sein sollen, nur ist eben merkwürdiger Weise der Hund irgendwie dazwischen geraten, also an eine Stelle gerutscht, an der er eigentlich gar nicht zu suchen gehabt hätte.
Wahrscheinlich hat er nur irgendwo blindlings herumgeschnüffelt und ist wie Alice im Wunderland durch ein verdrehtes Kaninchenloch in meine Sendung hineingefallen, also eigentlich eher: über sie hergefallen.

Aber zumindest habe ich vorläufig meine Ruhe.
Der Hund gewährt mir diese natürlich nur, weil ich ihm erstens hoch und heilig versprochen habe, seine Hundehütte nicht mehr anzutasten und zweitens dazu bereit war, ihm das zweite und insofern letzte Wort zu überlassen, wenn ihm denn danach wäre. Letzteres nahm auf die Faulheit des Hundes Bezug, das fiel ihm aber nicht weiter auf, weil es derselben eben sehr gut zustatten kommt.

Er darf sich also leider in Zukunft wieder ungehindert in meinen Gedankenfluss einmischen und ihn stören, wenn sich Smeralda vielleicht mit ihrem neuen Namen gar zu lange Zeit lässt.

Trotzdem, was mein ist ist mein und mein ist jetzt all dieser freie und auf meine wirklich wesentlichen Ideen und tatsächlich tief ausgewogenen Weisheiten harrende Platz in der heutigen Sendung.

Wir fahren also fort.
In einem fort, sogar, denn so geht es wohl am Besten.

Bedenken Sie also zunächst, was Sie stets in einem fort so zu tun pflegen. Erzählen Sie es mir aber bitte nur ja nicht, sonst bekomme ich Federnjucken oder Schnabelkratzen und alle möglichen anderen Zustände.

Ich meine, es ist ja hauptsächlich wichtig für Sie selbst, sich einmal so ganz klipp und klar, eines ums andere, für und wider, ganz und gar nur klar zu machen, was Sie nun einmal Tag für Tag in einem fort so tun.

Darin liegt nämlich normaler Weise auch schon der Hund begraben.
Ich konnte an dieser Stelle jetzt leider nicht anders, als den Hund, wenn auch auf begrabene und somit hoffentlich für längere Zeit ganz vergessene Weise, miteinzubringen.

Der Hund liegt also darin begraben, dass Sie sich normaler Weise nicht darüber im Klaren sind, was Sie wohl so in einem fort zu tun pflegen.
Die Gabe der Bewusstheit ist Ihnen zwar zu eigen, Sie nützen diese aber nur sehr spärlich, ja wohl fast gar nicht, sozusagen praktisch nie. Oder zumindest nicht in dem Maße, dass Sie die Tücken des Alltags und des in einem fort klar und deutlich zu erkennen imstande wären.

Leugnen Sie das nur ja nicht! Ich bin mir meiner Sache nämlich sicher.
Sie wissen nicht genau, was Sie in einem fort so tun.

Wir Hühner wissen über das, was wir hier in einem fort tun, im Allgemeinen und im Speziellen jederzeit ganz detailliert Bescheid.

Genau das ist nämlich der geheime Grund, unseren Alltag so einfach wie möglich zu gestalten.
Hühneralltag ist konzentrierte, einfachste Daseinsform, ist Meditation über das Wesentliche des Tuns während und eigentlich genau dadurch, dass wir es tun.

Menschenalltag ist von Ablenkung geprägt, kompliziert und leider im Allgemeinen wie im Speziellen völlig ineffizient.

Diese Gleichung kann Ihnen jedes halbwegs orientierte Huhn mit Leichtigkeit aufsagen.

Es besteht jedoch kein Grund für Sie, deshalb allzu sehr deprimiert durch das Leben zu schreiten.
Nein, es besteht noch Hoffnung für Sie und Ihre Spezies, oder zumindest für jene paar Exemplare derselben, die sich aufmerksam und intensiv dem Studium meiner Lehren widmen.

Für den Großteil Ihrer zweibeinigen Leidensgenossen ist also zwar jegliche Aussicht auf Rettung rein illusorisch, und es wäre zu viel des falschen Trostes, würde ich hier etwa etwas Anderes behaupten, nur im Sie nicht in eine gewisse Verzweiflung zu stürzen. Eine gewisse Verzweiflung will ich Ihnen also hier nicht ersparen.

Aber Sie können immer noch über den Tellerrand Ihrer zweifelsohne recht begrenzten flügellosen Zweibeiner-Existenz hinausblicken auf die faszinierende Möglichkeit, gar noch zu wahrer Aufmerksamkeit durchzustoßen, und somit eine Durchsicht durch den Schleier des Oberflächlichen hindurch auf das Wesentliche und Einfache einer auf diesem Planeten durchaus möglichen Existenz zu erlangen.

Leider muss ich hier wieder einmal meinen Unterricht unterbrechen, um mich wichtigen Merkmalen des Hühneralltags wie der Nahrungsaufnahme zu widmen.

Sie werden aber zweifelsohne im besten Fall noch von mir hören.

Das muss Ihnen jetzt genügen. Sie sehen, wie spielerisch ich Ihnen hier die wahre Bereitschaft des magischen Kriegers vermitteln kann.

Halten Sie also inzwischen nur die Augen offen. Es wirkt schon.

 

 

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