Die Sendung mit dem Hu(h)n(d), Klappe 2
Beachten Sie bitte das voranstehende Bild mit dem Hund erst gar nicht weiter.
Diese Rubrik ist mir, Ihrem liebsten schamanischen Huhn gewidmet.
Der Hund hat sich nur eingeschlichen, nein, genauer gesagt, hat er sich an dieser Stelle, wo er jetzt steht, auf aufdringlichste Weise ins Bild gesetzt. Er will offenbar seinen Anspruch auf diese schöne huhngeborene Seite nicht aufgeben.
Sie werden ja irgendwie schon bei der ersten und letzten Folge dieser Kolumne gemerkt haben, dass der Hund mich, das Huhn, fast überhaupt nicht zu Wort kommen ließ. Ich durfte gerade einmal empört gackern und das war es dann auch schon gewesen.

Die erste und letzte Folge: Klingt doch ungemein erhebend, oder?
Gemeint ist damit natürlich nur, dass es sich bei der letzten Folge dieser Rubrik eben erst gerade um die erste Folge handelte.
Ach, ich glaube, dieses reizende Wortspiel muss ich unbedingt meiner allerliebsten Freundin Smeralda erzählen. Die wartet nämlich nur auf solche Ergüsse von mir. Die weiß eben, was sich für ein literarisch gebildetes Huhn schickt.
Hunde haben hingegen wirklich gar keinen Stolz. Die werfen sich einfach so mir nichts Dir nichts an Ihre Brust und weinen sich dort haltlos aus, oder sie schmeicheln sich ein, nur um ein Leckerli oder auch zwei oder drei zu bekommen.
Das würde einem anständigen Huhn wie mir nicht im Traum einfallen.
Ich hoffe nur, ich kann dem Hund jetzt endgültig klar machen, wer hier auf dieser huhnaffinen Seite am Drücker ist. Was den Titel der Rubrik betrifft, ist mir auch schon eine kleine aber ungemein gemeine Veränderung aufgefallen. Was soll denn diese pseudokorrekte Doppelanrede, halb Huhn halb Hund, eigentlich bedeuten? So etwas gibt es doch gar nicht. Entweder sind Sie Fisch oder Fleisch, also, hier an dieser Stelle, Huhn oder Hund, aber sicher nicht beides oder von Beidem ein bisschen. Der Hund ist jedenfalls das einzig Fischige hier.
Wenn Sie diese geistreiche Metapher von Hühnerseite verstehen. Das wird Smeralda ebenfalls gefallen. Sie liebt solche geistreichen Sprüche.
Worüber wollte ich aber denn jetzt eigentlich mit Ihnen reden, ich meine, bevor mich der lästige Hund hier wieder abgelenkt hat?
Ach ja, genau das war ja das Thema! Ablenkung.
Ablenkung und Kontrolle. Oder jedenfalls so ähnlich. Ja ungefähr genau so muss dieses Thema jetzt lauten.

Lassen Sie sich jetzt nur nicht von der dunklen Wiese im Vordergrund des Bildes ablenken. Das Wesentliche ist doch wohl der wilde dem Wald entspringende Geist, der mit seinen vielen Armen nach Ihnen greifen will. Dem müssen Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit widmen. Natürlich vor allem dann, wenn Sie selbst im Bild sind. Dann steht der Geist nämlich genau vor Ihnen.
Die Ablenkung dient natürlich meist nur dem Kontrollverlust, glauben Sie das auch, ja oder nein?
Wenn Sie abgelenkt sind, wissen Sie nämlich zumeist nicht mehr ganz so genau was Sie tun, also, ich gebe Ihnen hier ein einfaches Beispiel.
Sie fahren Auto, zum Beispiel gerade durch mein Dorf, vielleicht deshalb, weil Sie hier zufälliger Weise auch wohnen. Sie lesen zugleich die Morgenzeitung und nähern sich mit dem Auto deshalb mehr oder weniger stark dem Straßenrand, man könnte also auch sagen, Sie fahren aus Gründen der Ablenkung Zickzack. Ein geschicktes Huhn wie ich flattert auf und schafft es mit einiger Mühe aber ungeheurer Eleganz, Ihrem unberechenbaren gemeingefährlichen Fahrzeug auszuweichen. Sie verreißen das Steuer, weil Sie aus der Ablenkung ganz plötzlich und schreckhaft herausgerissen werden und in eine leider viel zu spät einsetzende Konzentration zurückfallen, einem nahezu sinnlosen Versuch, jetzt noch die Kontrolle über das Unkontrollierbare zu gewinnen. Dadurch gerät Ihr Wagen ins Schleudern und Sie streifen beinahe das Haus Ihres Nachbarn. Kurze Zeit später überfahren Sie noch eine unachtsame Katze. Die hätte lieber auf Ihrem Baum sitzen bleiben sollen.
Schließlich kommt das Auto zum Stillstand und Sie sind erledigt.
Ich meine, Ihr Ruf ist praktisch dahin und Sie können sich in Ihrem eigenen Heimatort nicht mehr blicken lassen.
Was lernen Sie also aus diesem ganz fiktiven Beispiel?
Sagen Sie es mir. Ich bin geduldig und eine wahre Pädagogin.
Also, Sie dort? Ja? Die Katze war selbst schuld, sagen Sie. Das habe ich doch schon erwähnt. Sie kann eben nicht fliegen.
Weiter. Sie dort drüben? Ja? Nicht Zeitunglesen beim morgendlichen Ausritt mit dem Wagen. Das wäre eine Möglichkeit, aber sie ist irgendwie nicht ansprechend, finde ich. Wo bleibt denn eigentlich Ihr Sinn für das Ausgefallene, das Gewagte, für Spiel und Gewinn? Na eben. Sehen Sie. Sie müssen einfach etwas riskieren in Ihrem Leben.
Sie da aus der letzten Reihe. Ja, Sie meine ich. Was sagen Sie? Ja? Nur nicht aufschrecken aus der Trance und mit ungeschicktem Kontrollwahn die Situation nur noch verschlimmern. Sehr gut. Wirklich gut mitgedacht.
Aber das Beste, die einfachste Lösung des oben stehenden Rätsels, die muss ich Ihnen jetzt an dieser Stelle doch wohl wieder selbst verraten:
Wir Hühner fahren eben niemals Auto.
Na, Sehen Sie!
Falls Sie sich jetzt fragen, ob das Alles mit Schamanismus zu tun hat, lautet die Antwort natürlich ja. Ich meine damit die Antwort lautet ja, weil es sich natürlich so verhält.
Sie lautet also nicht natürlich ja, künstlich nein oder so.
Schamanismus hat, genau wie die von mir entwickelte tolle Essenzielle Körpertherapie im Übrigen auch, ganz viel mit Kontrolle, Ablenkung und Achtsamkeit zu tun.
Bitte nicht schubsen, die Damen von der Redaktion. Ich weiß, dass die Essenzielle Körpertherapie nicht von mir dem Huhn entwickelt wurde. Aber um ein Reiskorn oder dergleichen wenig nur hätte sie ja von mir entwickelt worden sein können. Insofern darf ich mich hier zumindest des Versuches einer solchen Entwicklung rühmen, auch wenn die dann doch nicht so stattgefunden hat. Sie brauchen mich also gar nicht erst zu schubsen. Ich bin ein durch und durch orientiertes Huhn. Ich weiß was ich sage. Wenn Sie das nicht glauben, fragen Sie ruhig Smeralda. Die weiß es nämlich auch.

Auch in diesem Bild ist ein elegantes Huhn zu sehen, das sich, ganz in Gold gekleidet, aber wohl nur zu der auf der Uhr gerade angezeigten Stunde kurz ganz bescheiden im Hintergrund dieser Ansicht zu erkennen gibt. Schon daraus folgt: Die Clique der Hühner ist überall und immer zur Stelle. Wir sind die dominierende Lebensform dieses Planeten. Ja, wenn das Alles kein Beweis ist…
So, jetzt haben Sie mich abgelenkt. Deshalb kann ich Ihnen diesmal all die schönen Perlen der Erkenntnis, die Sie sonst von mir als schamanischem Huhn der Stunde jetzt aufgetischt bekommen hätten, gar nicht mehr servieren.
Sie müssen sich also noch etwas gedulden, genau gesagt, bis zum nächsten Mal.
Dann reden wir aber von Huhn zu Huhn wirklich mal ganz ausführlich über schamanische Konzentration, Ablenkung, Kontrolle und den Verlust. Ich meine, den Verlust von Kontrolle im Schamanismus und überhaupt, überall in der Welt.
Darauf dürfen Sie sich jetzt aber schon freuen. Bleiben Sie also stets erwartungsvoll gerecht, wie Smeralda zu sagen pflegt. Oder gerecht erwartungsvoll. Oder voll gerechter Erwartung. Oder erwartungsgerecht voll. Wichtig ist nur, dass Sie hier bleiben.
Sonst versäumen Sie zum Schluss noch das Beste.
Denn, und soviel ist sicher, das Beste kommt zum Schluss.
Ps:::Da sich Huhn und Hund nicht auf ein gemeinsames Beitragsbild einigen konnten, haben wir in der Redaktion beschlossen, das oben sichtbare ausgezeichnete Bild eines wilden Bisons als für alle Seiten nicht kompromittierenden Kompromiss zu veröffentlichen. Es stimmt zwar auch, dass das Bild des Bisons etwas unvollständig wirkt. Wir können Ihnen aber versichern, dass es das beste Foto war, das wir kurz vor Erreichen des rettenden Zaunes zu erhalten imstande waren. Außerdem hoffen wir bereits, Ihnen beim nächsten Beitragsbild dieser Kolumne weitere gesicherte Erkenntnisse zur Frage Huhn oder Hund liefern zu können.
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