Eine Begegnung mit der Kraft des Bären

Krafttier Bär in freier Natur
von Eva Maria Gruber und Ursula Merk

Krafttier Bär: Die Begegnung mit einem Braunbären in freier Wildbahn ist in Mitteleuropa quasi unmöglich. Erstens ist die Zahl der Wildtiere verschwindend gering – in Österreich und Deutschland gleich null, in Slowenien und Italien dank erfolgreicher Wiederansiedelungsprojekte wenigstens bei ein paar Dutzend Stück. Zweitens meiden Bären üblicherweise das Aufeinandertreffen mit Zweibeinern.

Es sei denn, die Begegnung passiert unerwartet und unverhofft – überraschend für Mensch und Tier. Selten – eigentlich nie – kommt es zu diesen Momenten. Jeder Wildtierforscher wird einem dies bestätigen. Braunbären kann man in Europa maximal in Tiergärten bewundern. Nicht mal in Skandinavien, wo die Braunbären-Population bereits auf die beachtliche Größe von mehreren hundert Stück angewachsen ist, bekommen die Experten die Bären einfach zu Gesicht. Nur GPS-Sender, die einigen Tieren zwecks Wildtierschutz und -forschung implantiert worden sind und damit deren Standort jederzeit abrufbar machen, ermöglichen ein Zusammentreffen. Forscher, die ohne technisches Equipment auf der Suche nach den Tieren sind, verfehlen diese, obwohl sie in wenigen Metern Abstand an einem vorbeiwandern.

Zufall und Magie…

Etwas anders kann diese Unwahrscheinlichkeit aussehen, wenn nach einem tiefenschamanischen Workshop am Meer Udo plötzlich auf die Idee kommt, der Rückweg müsse jetzt unbedingt statt über die Küstenstrasse durch das Inland führen.

Wenn sich dann der kleine Konvoi von drei Autos über immer schlechter werdende Straßen durch einen dicht bewaldeten Teil Kroatiens bewegt….

…und plötzlich ein gigantisches Schlagloch zum Abbremsen zwingt…

…und eine Teilnehmerin dieses kurze Innehalten nützt, um schnell aus dem Auto zu springen und sich im Gebüsch der Erledigung eines dringenden Bedürfnisses zu widmen…

Wunder, Schutz und Komik

…und danach, kaum drei Minuten später, eine andere Schamanin, die „zufällig“ auch die Bärentrommel der Ausbildung hütet, zu Udo sagt: Bleib stehn, ein Bär!

…und die ganze schamanische Gruppe daraufhin die eigentlich ganz unglaubliche Gelegenheit erfährt, einen großen Braunbären fünf Minuten lang aus vielleicht gerade mal zehn Meter Entfernung im Wald zu betrachten.

Der Bär lässt sich von uns nicht aus der Ruhe bringen, richtet sich nur ein- zweimal kurz auf um uns zu beobachten und fährt dann wieder auf allen vieren mit seiner Tätigkeit fort (auf der Suche nach Beeren?)

Und so ist tatsächlich ein kleines Wunder passiert, wie es eben in schamanischen Gruppen zuweilen vorkommt.

Das Kraftvolle in dieser Begegnung ist nicht nur das Unwahrscheinliche und Besondere des Ereignisses selbst, sondern liegt auch in der Kunst des Schamanen, sozusagen schnurstracks auf den Bären zuzufahren. Wir nennen dies: Den Moment der Kraft nützen.

Die Komik hingegen ergibt sich aus der Pause kurz davor.

Hätte uns nicht das Schlagloch zum Stillstand gebracht, hätte dieses Rendezvous unter etwas dramatischeren Umständen stattfinden können – die Teilnehmerin, die ja im zweiten Auto saß und den Bären zunächst gar nicht bemerkte, hätte vermutlich ebenfalls auf der linken Seite die Autotüre geöffnet, wäre aus dem Wagen gesprungen und in den Wald gerannt. Vielleicht hätte sie dann ja erst drei Meter vor dem Bären entdeckt, dass hier und jetzt etwas Unerwartetes geschehen könnte. Wer denkt beim Pipimachen hinter einem Baum schon daran, Obacht zu geben, ob vielleicht grad ein Braunbär den Weg kreuzt? Das hätte dann leicht zu einem interessanten „Kraftnamen“ der Teilnehmerin führen können – „die mit dem Bären pinkelt“….

Doch der schamanische Schutz hat funktioniert. Das Schlagloch hat uns die notwendige Ruhe für die Bärenbeobachtung geschenkt.

Der Bär hat dann dieselbe Ruhe und Gelassenheit ausgestrahlt. Und wir konnten ihn ebenso in aller Ruhe fotografieren.

Zuweilen heißt glücklich sein: Die Begegnung mit einem wilden Bären erleben.

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