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Den ersten April habe ich beim Schreiben wohlweislich ausgelassen. Vielleicht hätten einige von Ihnen da draußen sonst an dieser Stelle gar etwas vermutet, was uns Schamanen in einem so ernsthaften Text wie der Redaktionskolumne ja niemals in den Sinn gekommen wäre.


Allerdings kommt meine persönliche Seele derzeit mit dem Wechsel von Winter auf Sommer noch gar nicht richtig mit. Das ist irgendwie schade, weil es mir eben gerade so vorkommt, als stünden wir immer noch mit beiden Beinen standhaft im Tiefschnee, den es von den hohen Bergmassiven, welche mein liebliches schamanisches Zentrum ja fast von mehreren Seiten umgeben, unaufhörlich herabgeblasen hat.

Der Schnee ist aber tatsächlich nur ein Nachbild meiner winterlichen Naturbetrachtung.

Tatsächlich sprießt und grünt alles um uns herum.

Die schamanische Seele hat deshalb spätestens seit unserem jährlichen Ritual zu Frühjahrsbeginn, also der Tag- und Nachtgleiche, welche sich überraschender Weise jedes Jahr um diese Zeit einzustellen pflegt, klar begriffen, dass es jetzt Zeit ist, mit dem innerlichen schamanischen Frühlingsputz zu beginnen.

Das ging dann auch ganz einfach vonstatten. Alte Überzeugungen und Ansichten raus, neue und konstruktive Ideen und Visionen von Schönheit und Power aufnehmen, die Brust des Schamanen mit seinen beiden Herzen hochaufgerichtet in den Wind der Kraft gedrückt, und schon konnte das neue Frühlingsgefühl in mein schamanisches Innere Einzug halten.

Da sitzt es nun und wartet darauf, dass die persönliche Frühlingsseele nachkommt und sich mit ihm vereint.

Ich überlege mir noch ein bisschen, wann ich diese Vereinigung der beiden Seelen zulassen soll.

Irgendwie finde ich, man sollte so etwas vielleicht nicht allzu sehr überstürzen.

Es hat schließlich auch seine Vorteile, gleichzeitig in mehr als einer Jahreszeit zu leben.

Das können Sie natürlich nicht wirklich beurteilen, weil Sie es höchstwahrscheinlich noch nie ausprobiert haben. Ich wage sogar zu behaupten, dass Ihnen vielleicht noch nicht einmal die Vorstellung, es auszuprobieren,  bisher jemals in den Sinn gekommen sein könnte, ich  meine natürlich, bevor ich Ihnen jetzt mit meinem eigenen Unterfangen die Augen öffnen durfte und Sie deshalb auf die Spur eines jahreszeitlich mehrgleisigen Lebensstils gesetzt habe.

Gesetzt oder gestanden, gehetzt oder von der überraschend starken Frühlingssonne schon leicht angebraten, sind Sie in jedem Fall jetzt einen ganz gewaltigen Erkenntnissprung weiter gehüpft.

Der Frühling ist nämlich nicht immer, was er zu sein scheint. Er ist zwischendurch sogar hinterhältig und täuscht Lieblichkeit vor, nur um sich wenige Tage später ins raue Kleid einer überraschend aufgetauchten Kaltfront zu hüllen, welche uns dann wieder vollständig und unvermutet in sehr winterliche Gefühle eintauchen lässt.

Wenn Sie sich so wie ich innerlich mit einem seelischen Bein fest im Winter verankern wollten, könnten Sie mit dem anderen trotzdem den Frühling tänzerisch genießen, ohne sich notfalls während der Kaltfront allzu sehr vor den Kopf gestoßen zu fühlen. Denn im Winter, werden Sie dann sagen, ist diese Kaltfront immer noch eine ziemlich laue oder milde Angelegenheit, und strenge Minusgrade tauchen im halbwinterlich definierten Frühling ohnehin nur ganz selten in unseren Breitengraden auf.

Tänzerisch aber hat der Frühling ohnehin schon einiges auf die Beine gestellt, oder vielmehr, wir haben es dorthin gestellt, während wir unseren Ekstasetanz-Schwerpunkt vollzogen und unsere leuchtend orangerote Frühjahrstrance erlebten.

Leuchtend orangerot ist ein schamanischer Kraftpfeil direkt aus unserem magischen Heilfeld und wirkt unter anderem stark auf Ihre Trägheit ein, indem er sie gänzlich zunichte macht.

Sie sehen also, dass es nicht an Tanz und Freude fehlt, wenn Sie sich mit uns auf die holde innere Bewegung und die unglaublich fortgeschrittene Beweglichkeit des Frühlings einlassen.

Obwohl, wenn ich es gerade so recht bedenke, der Frühling für mich eigentlich erst so richtig im Mai beginnt. Alles andere ist wohl, wenn ich es jetzt genau betrachte, nur reinster Frühlingsvorgeschmack.

Jedenfalls habe ich mich dazu entschlossen, im Inneren dieses Beitrags nur streng winterliche Fotos zu verwenden. Das Beitragsbild selbst stammt aber von unserem Trance-Workshop und lockt Sie, genau wie der beginnende Frühling, mitten ins winterliche Geschehen hinein. So können Sie sich den Geschmack der Durchtriebenheit, mit welchem uns gerade der frühe Frühling bisweilen heimsucht, auch gleich viel besser vorstellen.

Über Geschmack aber lässt sich nicht streiten, obwohl er, der Geschmack des Wirklichen und Wahrhaftigen, die Wissenden unter uns bisweilen ganz unvermittelt streng von den Bisweilennichtsorechtweiterwissenden trennt.

Bleiben Sie also beweglich und spalten Sie sich, wenn möglich, seelisch nicht in mehr als zwei Jahreszeiten gleichzeitig auf. Das wird sonst, soviel kann ich Ihnen hier schon einmal aus eigener Erfahrung berichten, mitunter ziemlich kolossal anstrengend.

 

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