RedHOTAction 8
Letztens erreichte mich eine wirklich wunderbare Nachricht von meinem alten Freund Karl-Gustav. Ich schwebte kurze Zeit tatsächlich fast im siebenten Himmel der Schamanen.
Nun ja, die Nachricht an sich war wunderbar. Nur stammte sie eben nicht offensichtlich von Karl-Gustav, und als ich schließlich erkannte, woher sie kam, verlor die ganze Sache leider schnell jeglichen Glanz und entpuppte sich als….
Aber beginnen wir wie üblich am Anfang.
Ich erhielt nämlich ganz unerwartet folgende Nachricht:
Ich habe Ihre Anzeige für die freie Stelle eines personal assistant für einen überbeschäftigten Schamanen gelesen und würde mich sehr geehrt fühlen, wenn Sie mich, Heinz Müller Liebkind, für diesen Posten in Betracht ziehen würden. Da ich meinen Lebensaufwand in den letzten Jahren beständig gesenkt habe, steht die dafür vorgesehene Bezahlung für mich nicht an erster Stelle, vielmehr finde ich die von Ihnen beschriebene Tätigkeit selbst sehr interessant. Ich war bereits sehr erfolgreich in ähnlicher Position bei einer älteren Dame tätig, welche mich aufgrund ihres durch ihr hohes Alter bedingten Ablebens jedoch aus ihren Diensten entlassen musste.
Bei Interesse bitte ich Sie um Rückmeldung unter….
Nun ja, was soll ich sagen: Ich war, wie Sie sicherlich verstehen werden, zunächst einfach nur völlig begeistert, ja, sogar nahezu hingerissen von diesem Glücksfall eines schon sehnlich erwarteten Angebots.
Der Mann war offensichtlich bei mir genau richtig. Hoffentlich könnte er die Stelle gleich morgen antreten, dachte ich noch bei mir.
Dann fiel mir jedoch auf dass der Bewerbung noch ein zweiter Umschlag beigelegt war. Nun, sicherlich sind das seine ausgezeichneten Referenzen, überlegte ich.
Ich sonnte mich minutenlang in meinem neuen Glück. Endlich hatte ich es geschafft, einen personal assistant ganz für mich alleine zu finden und konnte den bisherigen Inhaber dieses Amtes, mit welchem ich ohnehin nur selten ganz klar gekommen war, fristlos kündigen. Sie wissen ja, bisher musste ich diese Stelle nämlich ärgerlicher Weise selber bei mir selbst bekleiden. Damit war nun offensichtlich endlich Schluss.
Allerdings kamen mir beim zweiten Durchlesen des Briefes doch einige Zweifel.
Ich stellte detektivisch folgende fragwürdige Punkte an diesem Schreiben kurz geistig heraus:
Erstens: Es gibt zwar jede Menge Heinz Müllers in den diversen Telefonbüchern und sozialen Medien zu finden, aber keiner hieß Liebkind. Der Mann war also ein Phantom.
Zweitens: Ich fand es sehr unwahrscheinlich, dass der Interessent für die, zugegebenermaßen überaus interessante, Stellung als personal assistant bei mir gleich im Bewerbungsschreiben seinen Verzicht auf jede angemessene Bezahlung herausstreichen hätte wollen.
Drittens war die angegebene Adresse oder Telefonnummer für die Rückmeldung meinerseits so gut wie unleserlich. Das erregte naturgemäß meinen Verdacht.
Deshalb beschloss ich, den zweiten Umschlag ganz vorsichtig zu öffnen. Und was fand ich: Eine kurze Nachricht von Karl-Gustav. Sie begann unglückseliger Weise mit den Worten „Verzeih mir bitte den kleinen Scherz, aber ich fand Deine Suche nach einem unbezahlt arbeitenden Sekretär einfach doch viel zu verlockend, um…..“
Alles also eine glatte Lüge. Wieder einmal und noch immer kein personal assistant weit und breit zu sehen. Ich bleibe bescheiden bei meiner bisherigen Lösung, auch wenn ich gerade im Sommer den derzeitigen Amtsinhaber tatsächlich als etwas faul erlebe. Meistens muss ich wirklich wieder alles ganz allein und selber machen.
Trotzdem wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Sommer mit oder ohne hilfreiche Assistenten. Schamanen wie ich haben ja ohnehin ihre Hilfsgeister und Spirits, die so manches in ihrem Sinne zu vollbringen verstehen. Wobei es hier offen bleiben soll, ob dies im Sinne des Schamanen oder im Sinne der Hilfsgeister bedeuten soll.
Zumeist lässt sich das im nachhinein ohnehin nicht mehr mit Sicherheit feststellen.

Ob auf See oder an Land, wir Schamanen sind im ganzen Süden wohlbekannt für unsere wunderbaren Tätigkeiten. Wenn wir grazil vom Boot ans Ufer schreiten hält die Natur den Atem an. Dann fällt ein Vorhang über unser Wirken voll Vergnügen, sodass wir uns mit Andeutungen nur von Kraft und Schönheit hier begnügen.
Für Karl-Gustav werde ich mir wohl einen unerwarteten Lottogewinn einfallen lassen müssen. Das wird ihn sicherlich erfreuen, zumindest so lange, bis er den zweiten Umschlag, der seiner Gewinnankündigung leider ebenfalls beiliegt, öffnet.
Nun ja, Rache ist süß, auch wenn ein schamanischer und spiritueller Lehrer wie ich ja längst über diesen niedrigen Gefilden persönlicher Rachsucht steht.
Jedenfalls muss ich zunächst unbedingt herausfinden, ob der gute Mann überhaupt Lotto spielt. Sonst funktioniert das Ganze nämlich nicht.
Aber das Alles beschäftigt mich inzwischen ohnehin nur noch am Rande meiner Aufmerksamkeit.
Die ist nämlich zurzeit auf viel Wichtigeres gerichtet.
Davon aber später mehr, vielleicht sogar schon im nächsten RedHOTAction Blog.
Und der erscheint zuverlässig dann wieder Anfang September.
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