Stormy Monday, Montagskater 6
Ich meine, ich werde inzwischen langsam aber sicher zu meinem eigenen Marketingexperten.
Nicht dass mich Marketing ursprünglich so sehr interessiert hätte.
Wahre Schamanen wie ich brauchen ja gar kein Marketing.
Andererseits:
So ganz ohne Marketing, nur durch Mundpropaganda, geht die Qualität, die wir Ihnen in Bezug auf Schamanismus und emotionale Selbstentwicklung hier anbieten können, leider vielleicht in der Masse der Scheinanbieter, die alle dasselbe anzupreisen scheinen, mitunter etwas verloren.
Ich kann mich natürlich nicht beklagen.
Ich jammere hier jedenfalls auf recht hohem Niveau, ja so werden Sie vielleicht sagen.
Das stimmt schon.
Immerhin gibt es bei mir eine gut besuchte Ausbildungsgruppe, und was Einzelarbeit betrifft habe ich zurzeit gar keine freien Plätze mehr.
Aber vielleicht verstehen Sie, dass es mich trotzdem irgendwie recht bedenklich stimmt, was hier in der Kultur mit dem eigentlich ursprünglich Esoterischem, mit seiner eigentlichen Qualität, zurzeit passiert.
Und außerdem darf sich meine Ausbildungsgruppe natürlich noch um ein paar Wenige wirklich Interessierte erweitern.
Denn auch wir Schamanen wollen Sie schließlich mit unserer Arbeit erreichen und einfach glücklich machen.
Das ganze Dilemma mit der Esoterikschwemme erinnert mich oft an einen Satz aus dem Leben des Brian von Monty Phyton, die berühmte Szene im römischen Gefängnis nach der endlich erfolgten Begnadigung Brians – nur falls Sie diesen Film zufällig kennen sollten.
Falls nicht, will ich Ihnen die Situation im Film an dieser Stelle kurz schildern:
Brian wird von den Römern begnadigt und darf das Gefängnis verlassen.
Leider begeht der Aufseher den Fehler, diese Tatsache zuerst im Beisein aller Verurteilten zu erwähnen und danach zu fragen wer jetzt eigentlich Brian sei.
Sie können sich sicher vorstellen, was dann gleich passiert.
Alle sind Brian!
Der Aufseher wählt also einen x-Beliebigen unter den Gefangenen und entlässt ihn in die Freiheit.
Der echte Brian bleibt mit den übrigen Gefangenen im Gefängnis zurück und wird ans Kreuz geschlagen.
So ähnlich verhält es sich derzeit mit der Ankündigung, Sie hätten schamanisch etwas ganz Besonderes und Einmaliges anzubieten.
Brian?
Ja, ich, ich auch, nein ich, ich bin es. Ich auch. Nein, ich bin Brian.
Sie sehen also, es liegt wohl ganz an Ihnen, ob Sie erkennen können und wollen, wo sich Brian aufhält, wer hier wohl eigentlich Brian ist.
Falls Sie Brian aber doch nicht erkennen sollten, finden Sie inzwischen natürlich jede Menge anderer Angebote am schamanischen Markt.
Schamanismus als Marktgeschehen.
Das wirkt ebenfalls irgendwie unheimlich und unnatürlich für mich.
Immerhin können Sie inzwischen Schamanismus schon in einem einwöchigen Kurs erlernen.
Wenn Sie dann noch etwas Geld und einen weiteren Tag dazu legen, ist auch der keltische Schamanismus noch dabei.
Ist das nun nicht ein wirklich fantastisches Angebot?
Direkt danach sind Sie angeblich auch Schamane.
Was meinen Sie dazu?
Bei uns bekommen Sie derlei Bauernfängerei allerdings nicht angeboten.
Obwohl, wenn ich es mir jetzt so recht überlege, könnte ich….
Aber nein, das lässt meine Ethik leider nicht zu.
Vergessen Sie es also am Besten gleich wieder.
Außerdem wollen es die Spirits nicht.
Und Sie wissen ja:
Vom Geist kommt Alles.
Der Spirit, der universelle Geist, drückt sich und sein Wirken mit Hilfe von geistigen Instanzen und magisch belebter Natur aus.
Die sollte man als Schamane also besser achten und nicht allzu sehr verärgern oder verstören.
Da ist man eben als wahrhaftiger Schamane schamanisch oft richtig in der Zwickmühle. Man würde ja gern.
Aber es geht eben nicht.
All diese recht spannenden und fantastischen Dinge, die ich Ihnen heutzutage anbieten kann, waren Geschenke des Geistes, also des Spirits, oder entstammen der Inspiration durch den Geist.
Die Bestimmung eines Schamanen ist es, sein Leben dem Weg der Kraft zu widmen und mit Dankbarkeit die Geschenke des Geistes weiterzugeben.
Wahrhaftigkeit ist die Voraussetzung dafür.
Wir Alle, Schamanen und Nicht-Schamanen verdanken unsere Existenz dem Wirken des universellen Geistes. Wir sind, wie schon an anderer Stelle gesagt, Kinder der Kraft.
Die Beziehung des Schamanen zur Kraft ist eine andächtige und von tiefem Respekt durchdrungen.
Deshalb darf schamanisches Wissen nicht verkleinert oder verflacht werden, wenn wir, die wir als Kanäle der Kraft alles vom Spirit bekommen, unsere ganz lebendige Beziehung mit Geist und Kraft achten.
Nun, daran sehen Sie also schon: Ich kann nicht anders.
Ich muss mich wohl jeglicher Halbheiten entschlagen, dem Weg des Spirits weiter folgen und tatsächlich bei der Wahrhaftigkeit und direkt auf dem Weg der Kraft bleiben.
Selbst hier am Montag, dicht unter der erhobenen Pranke des Katers.
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